Die Kirchenzeitung hat einen von der Jury zuerkannten Solidaritätspreis an die Homosexuellen-Initiative -Linz nicht vergeben.
Zum sechsten Mal wurde am Mittwoch, 3. November, an vier Einzelpersonen und vier Gruppen der Solidaritätpreis der Kirchenzeitung vergeben. Die Preisverleihung im Steinernen Saal des Landhauses war überschattet von Protesten. Der Grund: Die Kirchenzeitung hat den von der Jury der Homosexuelleninitiative Linz (HOSI-Linz) zugesprochenen Preis zurückgezogen.
Den solidarischen Einsatz für Menschen, die unter vielerlei Diskriminierungen zu leiden haben, dazu deren ehrenamtlichen Einsatz in der Beratung homosexueller Menschen, wollte die Jury mit der Preiszuerkennung an die Homosexuellen-Initiative-Linz mit ihrer Entscheidung vom 14. Oktober würdigen – als einer von insgesamt neun ausgewählten Preisträgern. Weil die Preisverleihung schon knapp drei Wochen später stattfinden sollte, wurden von der Organisation des Solidaritätspreises die Preisträger kurz darauf, mit Schreiben vom 18. Oktober, informiert.
Herausgeber und Chefredakteur der Kirchenzeitung stellten zunächst die von der Jury getroffene Entscheidung nicht in Frage. Die HOSI-Linz sollte den Preis ausdrücklich für ihre solidarische Arbeit erhalten, es gehe dabei nicht um eine Wertung von Homosexualität selbst und die sich daraus ergebenden Spannungsfelder.
Homosexuellen Menschen ist mit Achtung und Takt zu begegnen, heißt es im Weltkatechismus, so wurde es auch im Rahmen des Dialogs bei der Delegiertenversammlung in Salzburg festgehalten.
Nachdem die Jury-Entscheidung in der Öffentlichkeit bekannt wurde, trafen bald zahlreiche Proteste bei der Kirchenzeitung ein. Für die Verantwortlichen der Kirchenzeitung war dies ein Zeichen, dass eine Preisverleihung an die Hosi-Linz von vielen nicht verstanden werden würde. Mit ausschlaggebend für diese Entscheidung waren allerdings auch von der HOSI-Linz verbreitete Publikationen, in denen eine stark auf Konsum ausgerichtete Sicht von Sexualität zutage tritt.
Die Leitung der Kirchenzeitung wollte mit ihrer Entscheidung dem Missverständnis vorbeugen, mit dem Solidaritätspreis würde das Gesamterscheinungsbild der HOSI-Linz gutgeheißen. Ein Zeichen, das nicht oder falsch verstanden wird, sollte lieber nicht gesetzt werden, es würde mehr schaden als nützen.
In den letzten Jahren hat die Kirchenzeitung versucht, in der Frage der Homosexualität einen behutsamen Weg zu gehen, der dem Leben und den Anliegen homosexueller Menschen einerseits gerecht wird, und der andererseits ein besseres Verstehen bei jenen Menschen zum Ziel hat, für die diese Thematik eine zunächst fremde oder vielleicht sogar schockierende ist. So sollte eine bessere Beheimatung homosexueller Menschen in der Kirche gefördert werden. Bei diesem Weg wird die Kirchenzeitung auch weiter bleiben.
Die Zurücknahme des Solidaritätspreises hat Mitgliedern der Hosi-Linz, aber auch andere verletzt. Das war nicht in unserer Absicht, dafür entschuldigen wir uns. Die bei der Kirchenzeitung eingelangten Proteste – pro und contra – sind zum größeren Teil von echter Sorge getragen. Es waren aber auch erschreckende Töne darunter. Wo Menschen andere „Säue“ nennen, ist der Boden des Tolerierbaren verlassen.
Die Kirchenzeitung wollte mit ihrer Entscheidung nicht diskriminieren oder ausgrenzen, eher wollten wir Diskriminierungen hintanhalten. Wir hoffen auf eine konstruktive Auseinandersetzung, die für alle Beteiligten einen Schritt nach vorne bedeuten könnte. Ein Zeichen in dieser Richtung hat die mit dem Solidaritätspreis ausgezeichnete Pfadfindergruppe gesetzt, die ihren Preis spontan mit der Hosi-Linz geteilt hat.Als diözesane Kirchenzeitung sind in einer derart sensiblen Thematik auch die Beratungen und Entscheidungen diözesaner Gremien wichtig. Der Wert eines Solidaritätspreises ist nur gegeben, wenn er von der Diözese mitgetragen wird. Die knappe Zeit zwischen Jury-Entscheidung und Preisverleihung hat diesen Meinungsbildungsprozess, der auch innerhalb der Redaktion wichtig ist, erschwert. Für die Zukunft wird es auch ein klares Statut für den Solidarittäspreis auszuarbeiten geben. So bitten wir um Verständnis für diese Entscheidung.