Im Vorfeld auf den Christentag hat die Kirchenzeitung Christen und Christinnen verschiedener Kirchen eingeladen, Gedanken zum Evangelium zu formulieren. Erika und Gerhard Größwang aus Bad Ischl führen seit 24 Jahren eine „konfessionsverbindende Ehe“. Dragan Micic ist serbisch-orthodoxer Pfarrer in Asten bei Linz.
Gelebte Ökumene vor dem „Weltgericht”
Selbstverständliche Praxis oder Leben im Widerspruch zur Lehre der Kirche? Ehepaare verschiedener Konfessionen stehen in diesem Spannungsfeld. Erika und Gerhard Größwang beschreiben, wie sich die Frage für sie stellt – angesichts der Tasache, dass die getroffene Antwort vor Gott zu bestehen hat.
In einer konfessionsverbindenden Ehe ist die gemeinsame Eucharistiefeier eines der Hauptthemen.Nimmt jeder seine eigene Konfession ernst – und die seines Partners als gleichwertig –, muss einer den sonntäglichen Gewissenskonflikt bei der Wahl des Gottesdienstes auf sich nehmen. Frisch verheiratet wird diese Entscheidung in „jugendlicher Unbeschwertheit“ getroffen. Nach 24 Ehejahren empfinde ich die Notwendigkeit dieser Entscheidung immer mehr als Last.
Im Hinblick auf die Bibelstelle in Mt 25, 31–46 stelle ich mir Fragen: Werde ich mich dafür einmal verantworten müssen, weil ich mit meinem Ehepartner den Tisch des Herrn geteilt habe, obwohl ich kirchenrechtlich „ausgeladen“ bin? Wird sich mein Mann rechtfertigen müssen, dass er den Besuch eines evangelischen Got-tesdienstes mit Teilnahme am Abendmahl als Erfüllung der Sonntagspflicht sieht?
Ich bin überzeugt, dass es keinem Seelsorger zum Schaden gereichen wird, der den „Hunger“ nach einer gemeinsamen Eucharistiefeier eines konfessionsverbindenden Paares als einen solchen erkennt, wie er in Mt 25,40 beschrieben ist!
Erika Größwang
Ich möchte die Stellungnahme meiner Frau ergänzen: Ich sehe in der gelebten Ökumene eine wichtige Form der Geschichtsbewältigung: Angehörige einer anderen (christlichen) Konfession sind weder Feinde noch „zu Bekehrende“, sondern gleichberechtigte Christen.Unser „aneinander“ gewachsenes Glaubensverständnis kann die vorhandenen Unterschiede neben den zentralen Gemeinsamkeiten (be)stehen lassen – ohne „Übertrittsgelüste“ und „Einheitsbrei-Gedanken“.Im Schlussdokument der Zweiten Ökumenischen Versammlung in Graz heißt es u. a.: „Versöhnung . . . bleibt eine Energiequelle, die uns von Gott her erreicht und erhält. . . . In der Eucharistie feiern wir letztlich die Teilhabe am Werk des Versöhners, der sein Leben gab . . . Weil er uns mit sich selbst und untereinander versöhnt hat, sind wir verpflichtet, alle notwendigen Schritte zu einer gemeinsamen Feier der Eucharistie zu unternehmen.”Es erscheint uns als Mitglieder der „Arbeitsgemeinschaft Ökumene“, aus heutiger Sicht not-wendig (not-wendend!), der Einladung des Herrn zu folgen. Nicht aus Widerstand gegen Ordnungen und Traditionen, sondern auf Grund der Ernsthaftigkeit unserer gegenseitigen Wertschätzung und der Freude an der Gemeinsamkeit unseres Glaubens!