Kirche soll weitergehen statt nur auf das Alte zurückgreifen
Ausgabe: 1999/46, Auwiesen, Linz-Auwiesen,
16.11.1999
- Judith Moser
Der Kirchenraum ist der Ort, wo Christen gemeinsam öffentlich ihren Glauben feiern. Diesen Raum stellt der Fachausschuss Liturgie der Diözese Linz in den Mittelpunkt des Arbeitsjahres.
Kirchen haben immer das Große, das gefeiert wird, ausgedrückt und sind gleichzeitig Versammlungsraum.Ein künstlicher Raum ist immer auch ein Abbild des Kosmos. Räume sind meist viereckig – als Bild der Himmelsrichtungen. Die Decke hat oft das Bild des Universums. Sehr deutlich wird das bei gotischen Decken, etwa in Königswiesen, wo sogar Sterne aufgemalt sind.Jesus selbst hat sich im Tempel aufgehalten. Er hat aber mit der Tempelkultur gebrochen und gesagt, dass Gott wohnt in jedem Menschen wohnt.Die ersten Kirchenräume waren umgebaute Privaträume. Sie bestanden aus Versammlungsraum, Taufbecken und Caritasraum, in dem Brot und Kleidung für Bedürftige gelagert wurde. In den Katakomben wurde Eucharistie auf den Gebeinen von Märtyrern gefeiert. Aus dieser Zeit stammt der Steinaltar und das Einlassen von Reliquien. Weihrauch und liturgische Kleidung gehen auf die römische Tradition zurück, als das Christentum 314 von Kaiser Konstantin zur Volksreligion erklärt wurde. Es entstanden große Basiliken. Vorbild waren die Markthallen. Kirchenbänke gibt es seit dem Barock, ab der Entstehung des Bürgertums.Die Bauweise ist über Jahrhunderte gleich geblieben. Die Gotik, in der Gebäude nach oben strebten, wurde mit Licht „gebaut“. Im Barock antwortete man auch in der Architektur auf äußere und innere Gefahren (Türken bzw. Reformation).Die Änderungen durch das Zweite Vatikanische Konzil (1962 –1965) wurden deutlich in der Architektur sichtbar – Kirche soll weitergehen und nicht nur auf das Alte zurückgreifen. Das liturgische Geschehen soll mitten unter den Menschen stattfinden. Der Priestersitz wurde eingeführt, als Zeichen dafür, dass der Priester genauso Mitfeiernder der Liturgie ist. Die Innenausstattung ist geprägt von edler Schlichtheit statt Prunk .
Der Artikel stützt sich auf einen Vortrag von Mag. Anton Achleitner. Weitere Informationen zum Thema: Liturgiereferat, Tel.: 0732/7610-31 21.