Ausgabe: 1999/46, Georgien, Papst, Johannes Paul II., Papstbesuch
16.11.1999
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Anders als der Besuch des Papstes in Rumänien, wo Zehntausende orthodoxe und katholische Christen miteinander gebetet und gefeiert haben, verlief der zweite Papstbesuch in einem orthodoxen Land. In Georgien wurde Johannes Paul II. von Patriarch Elias II. äußerst formell empfangen. Während der Papst die Ökumene unter den Kirchen als Gebot der Stunde beschwor und auf die große Bedeutung des katholisch-orthodoxen Gesprächs hinwies, das trotz aller Schwierigkeiten im Geist der Brüderlichkeit und Liebe für die Wahrheit“ weitergeführt werden müsse, nahm Katholikos Elias das Wort Dialog nicht einmal in den Mund. Während in Rumänien der Papst an einem orthodoxen und Patriarch Teoctist an einem katholischen Gottesdienst teilnahmen, gab es in der Kathedrale von Tiflis nicht einmal ein gemeinsames Vaterunser. Das Patriarchat hatte auch seinen Gläubigen untersagt, am Papstgottesdienst im Sportpalast teilzunehmen. Zu dem Gottesdienst waren 10.000 Besucher gekommen. Viele konnten nur über Lautsprecher mitfeieren, da die Halle zu klein war. Der Papst forderte in dem verarmten und von Bürgerkriegskrisen geschüttelten Land zu Solidarität und Frieden auf. Als konkretes Zeichen der Solidarität eröffnete er ein Obdachlosenhaus, in dem er mit seinem Gefolge zuvor selbst übernachtet hatte.