- Kirchenzeitung der Diözese Linz, Sr. Margret Scheurecker
Wir sind recht besorgt, wenn es ums Ankommen geht: Das Flugzeug ist wirklich noch nicht angekommen? Endlich ist deine Überweisung auf meinem Konto angekommen! Hoffentlich komme ich an mit meinem Vortrag, mit meiner Bitte, mit einem klassen Motorrad . . .
Es wird erzählt, Jesus habe geweint, weil er bei vielen nicht angekommen ist mit seiner Botschaft der vertrauensvollen Nähe Gottes. Und heute? Kommt das Leben in seiner ganzen Vielfalt, kommt Gott bei mir an?
Am Morgen, wenn die Kinder aus dem Haus sind, trinke in meine zweite Tasse Kaffee, wie immer ohne Zucker, aber jetzt auch ohne Zeitung, ohne Radio. Mit der Tasse in den Händen lasse ich den morgendlichen Aufbruch nachklingen, wie gut, hier zu sitzen und hier zu sein – angekommen. Der schwarze dampfende Kaffee schreibt eine leichte weiße Wolke in den Raum. Unaufdringlich ist die Nähe Gottes . . .
Nach dem Einkaufen stelle ich die Taschen in der Küche ab. Bevor alles verräumt wird, nehme ich Stück für Stück in die Hand, freue mich daran: grüne und rote Paprika, frisches Joghurt, Olivenöl, Käse, Brot, Lebkuchen, die ich so mag . . . ich bin angekommen. Das Einkaufen nach- und ausklingen lassen: So ein Reichtum! Ich bin sehr dankbar. Unaufdringlich ist die Nähe Gottes . . .
Gegen Abend bin ich vom Krankenhaus zurück. Zuhause setze ich mich auf den Boden. Papa wird nicht mehr lange leben. Die bitteren Tränen, den Schmerz, die Sehnsucht ankommen lassen . . . mein Atem erzählt mir vom geheimnisvollen Lebensgesetz des Kommens und Gehens. Unaufdringlich ist die Nähe Gottes . . .
Viele Schnittstellen gibt es während eines Tages, wenn wir von einer Situation in die andere gehen. Ich habe gelernt, sie bewusst wahrzunehmen: Durchatmen, bevor die nächste Arbeit getan werden soll. Ankommen, bevor die nächste Welle an das Ufer der Zeit rollt. Innehalten, die Einstellung etwas ändern, bevor der Film meines Lebens weitergedreht wird. Merkwürdig, dass genau an diesen scheinbar unproduktiven Schnittstellen jenes Licht aufblitzt, das dem ganzen Leben Tiefe und Sinn gibt. Darum bleib, mag es dich freuen, erschrecken oder erstaunen! Gott lädt dich ein, den Grund aller Dinge zu verkosten. Er lädt dich ein zum Innehalten, zum Loslassen und Verabschieden, zum Weitergehen. So wird Advent – Zeit des Ankommens – ein Leben lang.