Hildegard Springer schreibt seit Jahren ihre Weihnachtspost in alle Welt. Zur Vorbereitung auf das Fest gehört für die 67-Jährige auch die Solidarität mit verfolgten Christen.„Wir bewundern Eure Solidarität“ schreibt eine der vier indischen Schwestern, die im September 1998 bei einem Überfall fanatischer Hindus vergewaltigt worden war. Daraufhin hatte die christliche Menschenrechtsorganisation CSI die Ordensfrauen für ihre „Weihnachtsgrüße an verfolgte Christen“ vorgeschlagen. Hunderte Brief wurden dann nach Indien geschrieben. Schwester R.: „Wir waren überrascht, dass wir so viele Briefe erhalten haben. Herzlichen Dank für Ihre wertvollen Gebete, die Liebe und Sorge, die Sie uns entgegengebracht haben. Jedem einzelnen wollen wir danken.“ Und ihre Mitschwester schreibt in ihrer Antwort: „Durch die Liebe Gottes und Ihre starken Gebete geht es uns von Tag zu Tag besser.“
Kleine Freude bereiten
Auch heuer wieder lädt CSI ein, verfolgten Christen einen Weihnachtsgruß zu senden. Liselotte Lopez-Griesmayr: „Besonders für Menschen im Gefängnis ist diese kleine Botschaft ein Lichtblick. Er soll ihnen zeigen, dass sie nicht vergessen sind.“ Für Hildegard Springer ist das Briefschreiben eine ihrer liebsten Beschäftigungen. Denn die 67-jährige Pensionistin sieht es als ihre Aufgabe, sich von Zuhause aus für verfolgte Christen einzusetzen. Am liebsten allerdings ist ihr die Weihnachtsaktion: „Damit kann ich Menschen eine kleine Freude bereiten.“ Ihre Weihnachtspost für 1999 hat Hildegard Springer bereits vergangene Woche an einem Nachmittag erledigt. „Wer weiß, wie lange die Post nach Vietnam braucht?“ Denn im Gefängnis von Dong Nai sitzt Frère Bernard seine 20-jährige Haftstrafe ab. Störung der Einheit unter der Bevölkerung war ihm vorgeworfen worden. Ihre Grüße schrieb Frau Springer, dank der Vorlage von CSI, in Französisch und Deutsch. Den Brief in russischer Schrift an Schageldy Atakov (36) hat sie aus der Vorlage ausgeschnitten und nach Turkmenistan geschickt. Dort verbüßt der Baptist seit Dezember 1998 seine vierjährige Haft. Wie er dann noch eine Geldstrafe von rund 160.000 Schilling bezahlen soll, wo doch das durchschnittliche Einkommen nur 400 Schilling beträgt, kann die Pensionistin nicht verstehen.
Frauen leiden doppelt
Dass die sechs Adressaten der Weihnachtsgrüße ausschließlich Männer sind, ist für Liselotte Lopez-Griesmayr von CSI typisch für die Kirchen: „Nicht dass Frauen weniger unter Verfolgung zu leiden hätten. Aber es gibt viel weniger Informationen darüber. Frauen leiden doppelt.“ Aber CSI Österreich ist bemüht, dieses Defizit aufzuholen. Darum hat die Organisation eine Frau als Gast zum Schweigemarsch eingeladen. Mit Prasanna Kumare, von der evangelisch-lutherischen Kirche in Indien, wird nach 20 Jahren erstmals eine Frau beim ökumenischen Gebet für die verfolgten Christen im Wiener Stephansdom predigen.
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