Sie haben die Klostermauern hinter sich gelassen: Zweijunge Franziskanerpater leben in Innsbruck Tür an Tür mit drogenkranken Menschen.Bruder Matthias und Bruder Franz sind überzeugt: „Der heilige Franziskus würde heute auch so leben.“ Im Caritashaus in der Gumppstraße 71 in Innsbruck haben die beiden Patres eine franziskanische Wohngemeinschaft eingerichtet. Sie leben unter einem Dach mit drogenkranken, HIV-positiven und ehemaligen obdachlosen jungen Menschen.
„Geerdet“ leben
„Ich weiß jetzt wieder, wie viel ein Kilo Zucker kostet.“ So beschreibt Br. Matthias das „geerdete“ Lebensgefühl außerhalb der Klostermauern. Vom Kochen bis zur Wäsche – alle anfallenden Arbeiten erledigen die beiden Brüder und ihr dritter WG-Bewohner selbst. Die Gemeinschaft bemüht sich um einen einfachen Lebensstil und besitzt weder Fernseher noch Auto. Matthias ist Behinderten-Seelsorger im Seraphischen Liebeswerk und Franz arbeitet als Sozialarbeiter der Caritas mit drogenkranken Menschen.Im Leben mit Menschen am Rand der Gesellschaft erblicken die beiden Franziskaner eine Berufung für ihren Orden. Schon der hl. Franziskus habe seine Brüder aufgefordert, mitten unter den Armen zu leben, erklärt Br. Franz.
Am Rand der Gesellschaft
Dass die Wohngemeinschaft kein „Spleen“ eines Eigenbrötlers ist, beweist die Generalkonstitution des Ordens der Minderbrüder, die so etwas wie die weltweit geltende Gesetzgebung der Franziskaner ist. Sie hält fest, dass sie „im Milieu der Armen und in verweltlichtem Umfeld Bruderschaften gründen“ sollen. Drogensucht, Einsamkeit und die Unfähigkeit, den Alltag zu bewältigen, darin bestehe die Armut der Menschen im Caritashaus, sagen die Franziskaner. Große Heilungserfolge dürfe man sich nicht erwarten: „Wir wollen die Menschen begleiten und ihnen ein würdiges Leben ermöglichen“, erklärt Bruder Franz. Die Wohngemeinschaft der Franziskaner wolle ein Vorbild für die Menschen sein und kleine Anstöße für eine soziale Integration geben.Säulen der franziskanischen Wohngemeinschaft sind die gemeinsamen Arbeiten und das Gebet. Gäste sind in der Gemeinschaft immer willkommen. Einmal im Monat lädt die WG die Drogenabhängigen zu einem Abendessen. Mittwoch Abend feiert die Hausgemeinschaft einen Gottesdienst in der Hauskapelle, die übrigens als einziges Gotteshaus in Innsbruck rund um die Uhr geöffnet ist. Die täglichen Gebetszeiten in der Früh und am Abend sind für Besucher offen. „Es gehört auch zu unserem Auftrag, für die Menschen in diesem Haus zu beten“, betont Bruder Matthias. Auch in den Messfeiern außerhalb des Hauses und in Kursen und Seminaren vertreten die Patres deren Anliegen.
Bewegtes Leben
„Wir führen hier ein viel bewegteres Leben als im Kloster“, vermutet Matthias. Hautnah bekommen die beiden Franziskaner Probleme und Sorgen der drogenkranken Menschen mit. Und damit meint er nicht nur jene Nacht, in der sie zu Hilfe gerufen wurden, weil in einem Zimmer ein Brand ausgebrochen ist.