Ausgabe: 1999/48, Hintergrund, Sri Lanka, Wallfahrtskirche
30.11.1999
- Walter Achleitner
Sie galt als Friednssymbol auf Sri Lanka, die Wallfahrtskirche „Unsere Liebe Frau von Madhu“, mitten im Dschungel von Mannar im Nordwesten der Insel. Das vor 450 Jahren erbaute Gotteshaus war nicht nur Ziel für Christen, sondern auch für tamilische Hindus und buddhistische Singhalesen. Wie ein Wunder – die Kirche blieb in dem seit 17 Jahren andauernden Bürgerkrieg auf dem einstigen Ceylon unversehrt. Sowohl Regierungstruppen als auch die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) respektierten den heiligen Ort. „Madhu Church Reservation“ – seit zehn Jahren unter der Kontrolle des Flüchtlingshilfswerkes der UNO (UNHCR) – galt als Insel des Friedens, auf die sich tamilische Zivilisten aus dem Norden und Osten des Landes flüchten konnten. Am Samstag vorvergangener Woche wurde nun auch das Marienheiligtum vom ethnischen Konflikt getroffen. Eine Granate der LTTE zerstörte die Kapelle, als sich gerade 3500 Schutzsuchende auf dem Gelände befanden. 38 Menschen, darunter 13 Kinder, wurden getötet, 64 Personen schwer verletzt. Das Blutbad steht im Zusammenhang mit einer neuen Offensive der LTTE, die für eine Autonomie der Tamilen kämpfen. Vermutlich soll die für 21. Dezember geplante Präsidentschaftswahl verhindert werden.