Rund 55.000 Oberösterreicher/innen sind in den katholischen Pfarren ehrenamtlich tätig. Je kleiner die Pfarre, desto mehr Leute sind aktiv, zeigt eine Untersuchung.
Um die Angebote der Diözesanstellen besser auf die Bedürfnisse der Pfarren abzustimmen, wollte es eine Arbeitsgruppe um Josef Weichselbaumer genau wissen: Wer engagiert sich in den Pfarren – und was brauchen die Leute an Unterstützung? In 46 Pfarren wurde das Engagement der Ehrenamtlichen durchleuchtet – und dann auf die ganze Diözese hochgerechnet. Ein Vorurteil hat vor der Wirklichkeit keinen Bestand: Es engagieren sich viel mehr Leute, als so manche Jammerei, dass man von den Leuten heuzutage nichts mehr haben könne, vermuten lässt.
In kleinen Pfarren sind bis zu 16 Prozent der Pfarrangehörigen selbst aktiv, in großen Stadtpfarren sind es etwa 3,5 Prozent der Katholiken. Steigt die Anzahl der Pfarrangehörigen auf über 10.000, so wird die Zahl der Mitarbeiter/innen kaum mehr größer. Die Lehre daraus: Auch wenn kein eigener hauptamtlicher Seelsorger da ist, ist es sinnvoll, Pfarren zu erhalten.Auf einen hauptamtlichen Seelsorger fallen in der Diözese Linz im Schnitt 100 ehrenamtliche Mitarbeiter/innen. Vom Kirchenchor bis zum Einsatz als Haussammler, vom Pfarrgemeinderat bis zur Jungschargruppenleiterin, reicht dieser kostenlose Einsatz für die Kirche.
Allerdings: Ehrenamtliche sind heute selbstbewusster. Sie lassen sich nicht einfach nur einspannen, sie überlegen selber sehr genau, wofür sie sich eigentlich engagieren lassen wollen. Eine Pfarre ist gut beraten, auf diese persönlichen Wünsche auch einzugehen.
Die Diözese Linz wird ihre Angebote auf die Bedürfnisse dieser Ehrenamtlichen verstärkt einstellen müssen, meint der der im Pastoralamt für den Bereich Pfarren und Gemeidnen verantwortliche Josef Weichselbaumer.
Ehrenamtliche wollen Begleitung, gerade auch in theologischen Fragen. Sie möchten wissen, ob das, was sie tun, auch im Sinn der Kirche und der Heiligen Schrift ist. „Hin und wieder brauchen wir jemanden, der uns sagt, ob das, was wir tun, auch passt“, bekommen Pfarrbegleiter immer wieder zu hören. Sie möchten keine Sonderwege gehen, sondern ganz auf dem Boden der Kirche bleiben.
Nach Sportvereinen haben die Kirchen das größte Potential an ehrenamtlichen Mitarbeitern, weist ergibt eine deutsche Untersuchung. Gezeigt hat sich allerdings: Ein Drittel des „Potentials“ liegt noch brach, wenn man diese auf ihre Interessen hin anspricht. Fachleute sprechen vom „neuen Ehrenamt“: Leute leisten ihre unentgeltliche Tätigkeit auf bestimmte Projekte bezogen und zeitlich befristet. Dabei wollen viele nicht ehrenamtlich auch das noch tun, was sie im Beruf ständig zu tun haben, sie suchen hier eher den Ausgleich. Der Journalist möchte nicht auch noch das Pfarrblatt machen, der Buchhalter sich nicht unbedingt um die Verrechnung kümmern.