KMB-Aktion SEI SO FREI unterstützt Arbeit für die Ärmsten in Tansania
Ausgabe: 1999/49, Sei so frei, Tansania, Gläser, Biseko, KMB
07.12.1999
- Matthäus Fellinger
Ein Priester in Tansania ging einen anderen Weg. Er sah die Not der Ausgestoßenen – und gründete eine Gemeinschaft: die „Servants of Love“. Marianne Gläser, gebürtige Mostviertlerin, lebt bei den „Servants of Love“ (Diener/innen der Nächstenliebe) im Norden Tansanias. Als Entwicklungshelferin kam sie ins Land. Fasziniert von der Art, wie sich ein Priester die Not der Ärmsten nahe gehen ließ, begann sie für ihn zu arbeiten. Eine Gemeinschaft von 45 Männern und Frauen ist entstanden. Drei „Häuser der Nächstenliebe“ sind entstanden. Menschen, die keine Angehörigen mehr haben, werden hier aufgenommen – Leprakranke, Aidskranke, Menschen, die in Spitäler gebracht und nicht mehr abgeholt wurden.
So wie Mama Esther. Sie war 18, verheiratet und erwartete ihr erstes Kind, als sie von einem Baum stürzte. Querschnittgelähmt wurde sie ins Spital gebracht, brachte dort ihr Kind zur Welt – und wurde sechs Jahre lang nicht mehr besucht und schon gar nicht nach Hause gebracht. Ärzte, Schwestern erbarmten sich ihrer und versorgten sie. In Tansania müssen sich die Verwandten in den Spitälern um die Verköstigung kümmern.
In einem der Häuser hat sie mit ihrem Kind jetzt Aufnahme gefunden.
Besonders an Aids erkrankte Frauen haben ein bitteres Schicksal, mitsamt ihren Kindern werden sie oft auf die Straße gesetzt, niemand kümmert sich um sie. Drei „Häuser der Nächstenliebe“ stehen am Viktoriasee. Um für deren laufende Erhaltung zu sorgen, ist Hilfe notwendig. Die Männerbewegung von Linz und Wien hat in den letzten Jahren bereits unterstützt – mit einem Fischerboot beispielsweise oder mit einer Getreidemühle. Jetzt müssen die Leute nicht bis zu 20 Kilometer zu Fuß zur nächsten Mühle ihre Säcke schleppen.
Um 10 österreichische Schilling bekommt man in Tansania einen Fisch, der für drei Personen reicht. Die Sorge um das tägliche Brot, sagt Gläser, ist die Hauptsorge der armen Bevölkerung. Ein Kübel Maismehl kostet rund 50,– österreichische Schilling. Das ist sehr teuer für die Menschen dort.Es begann nach einem Gottesdienst, bei dem P. Biseko zum Satz aus dem Evangelium predigte: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“. Wer mit ihm gemeinsam damit ernst machen möchte, solle nach der Messe hier bleiben, lud Biseko ein. Zwölf blieben. Das war der Anfang der Gemeinschaft der Servants of Love. 35 sind es heute. Sie leben in den Häusern mitten unter den Armen im Geist franziskanischer Spiritualität. Vielleicht wird einmal ein Orden daraus. Um halb fünf Uhr früh stehen sie auf zum Gottesdienst, dann beginnt das Tagwerk. Nicht Anzug und gute Schuhe tragen P. Biseko und seine Leute – wie es bei vielen Klerikern hier üblich ist, sondern Sandalen aus alten Autoreifen, weiße Hose und schwarzes Hemd. Das ist die Kleidung der Servants of Love. Marianne Gläser kümmert sich bei den Servants um vieles: Sie macht die Korrespondenz, näht Tücher und Messgewänder, sorgt für die notwendige Unterstützung im Ausland. „Ehrenamtlich“. Ihr Mann Anton Gläser arbeitet für ein österreichische Projekt des Außenministeriums. „Von keiner der Hilfsorganisationen wurde so unbürokratisch geholfen wie von der Männerbewegung“, ist sie über die Zusammenarbeit froh.
Dieser Ausgabe der Kirchenzeitung liegt ein Erlagschein bei, mit dem Sie u. a. die Arbeit der „Servants of Love“ unterstützen können.
Konto Nr. des Empfängers: 00000691733 Bankleitzahl: 54000 Empfänger: Aktion SEI SO FREI, KATH. MÄNNERBEWEGUNG
Eine gemeinsame Aktion der Kirchenzeitung der Diözese Linz und der Aktion SEI SO FREI, Kath. Männerbewegung, für die "Häuser der Nächstenliebe" in Musoma.
Langfristige Zusammenarbeit
14,63 Mio Schilling hat die Aktion SEI SO FREI in der Diözese Linz im letzten Jahr für die Entwicklungsarbeit aufgebracht. Zusammen mit den vom Außenministerium zur Verfügung gestellten Mitteln kann die Aktion damit Projekte in einem Gesamtausmaß von 24,73 Mio. Schilling unterstützen. Der Hauptanteil geht nach Lateinamerika (11 Mio), gefolgt von afrikanischen Projekten (6,5 Mio}. In den letzen Jahren setzt die Katholische Männerbewegung als Träger der Aktion Sei so Frei verstärkt auf langfreistige Zusammenarbeit mit den Projektpartnern. Bis zu fünf Jahre dauert die Zusammenarbeit mit einem Partner. Die Zahl der Einsatzländer wurde von 25 auf 10 reduziert. Das erlaubt, so Josef Geißler von SEI SO FREI, eine intensivere Zusammenarbeit zwischen den Partnern.