Tag des Gerichtes, Tag des Zornes, Feuersbrunst und Katastrophen – wer kennt sie nicht, diese Bilder. Immer noch bereiten sie Unbehagen und manchem sogar Angst. Und inmitten dieser Szenen: der Weltenrichter.
Doch wer ist dieser Richter eigentlich? Kommt er wirklich mit Pauken und Trompeten – am Ende der Welt? Bedeutet sein Kommen Zorn und Untergang? Ist er der gerechte Richter, der das Gute belohnt und das Böse bestraft? Das Neue Testament macht kein Geheimnis aus diesem Richter! Es verkündet laut und unüberhörbar: der Richter ist Jesus Christus.
Wie hoffnungsvoll und wohltuend klingt da die heutige Lesung aus dem Jesaja-Buch, eine Lesung, die ebenfalls von einem Christus (= Gesalbter, Messias) erzählt. Gerade im Bild dieses bestimmten Christus entdeckten die ersten Christen Züge ihres Meisters Jesus wieder (vgl. Lk 4, 16–30). Was Jesaja vom Messias erhoffte, passte auf Jesus! Ein Merkmal sticht bei diesem Messias besonders hervor: der Gesalbte ist nicht gesandt worden, um zu verurteilen, zu vernichten oder zu strafen. Er ist vielmehr gekommen, um Menschen zu befreien und um jene zu heilen, „deren Herz zerbrochen ist“. Anstatt zu verurteilen, zu vernichten oder zu strafen ruft er ein Gnadenjahr, eine Begnadigung aus.
Weil Jesus diesem Messiasbild zutiefst entsprach, dürfen wir Menschen hoffen, dass wir, am Ende der eigenen Lebenszeit, einem Richter begegnen werden, der auf-richtet und wieder zurecht-richtet.
Was Christen erwarten, ist also hoffnungsvoll. Das zeigt gerade die Adventzeit deutlich. Im Advent geht es ja um das Warten auf den Messias, um das Ausschauen auf sein Kommen. Wie Angst nehmend dieses Kommen, wie hoffnungsvoll diese Zukunft ist, drückt ein bekanntes Adventlied sehr gut aus. Hier heißt es: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit . . . er ist gerecht, ein Helfer wert, Sanftmütigkeit ist sein Gefährt, sein Königskron ist Heiligkeit, sein Zepter ist Barmherzigkeit; all unsre Not zum End er bringt; derhalben jauchzt, mit Freuden singt. Gelobet sei mein Gott, mein Heiland groß von Tat.“
Das Kommen des Weltenrichters braucht also nicht zu ängstigen: Das, was uns am Ende der Zeit, am Ende unseres Lebens erwartet, ist nicht ein Inferno, sondern eine auf-richtende Begegnung. Diese Begegnung wird nicht zerstören, sondern vielmehr alles Zerstörende selbst (in uns, um uns, durch uns . . .) überwinden und heilvoll verwandeln. Im Ende ein neuer Anfang.