Der Raumordnung geht es in Österreich wie dem Naturschutz – beide werden zu wenig wahrgenommen!
Der Linzer Planer und Kulturlandschaftsexperte Dipl. Ing. Hans Peter Jeschke hat als Privatmann 1999 in der „Agrarischen Rundschau“ in einer umfassenden Studie über neue Strategien für die ländlich geprägten Räume nachgedacht. Er stützt sich besonders auf die vom Europarat verabschiedete Europäische Charta für den ländlichen Raum, die Konsequenzen der Umsetzung für die Nationalstaaten nach sich ziehen soll. Jeschke fordert daher einen neuen Gesellschaftsvertrag zwischen Stadt und Land. Er schreibt in diesem Zusammenhang von neuer, institutionalisierter Solidarität.
Der ländliche Raum müsse gesamthaft gesehen werden. Diese Regionen sind nicht „Ausgleichsraum“ aus städtischer Sicht, sondern gleichwertige und eigenständige Lebensräume für alle dort lebenden und wirtschaftenden Bewohner. Leitlinien seienu. a. die Sozialprinzipien der Staatslehre wie das Personal-, Subsidiaritäts- und Solidaritätsprinzip und die ökosoziale Marktwirtschaft. Jeschke drängt auf eine harmonische Verbindung von Markt, Solidarität, Gerechtigkeit, Nachhaltigkleit, individueller Freiheit und sozialer Verantwortung. Er weist auch darauf hin, dass die Politik der „zentralen Orte“ (um einen zentralen Ort wird die Region entwickelt) seit den frühen Achtziger-Jahren nicht mehr überprüft ist. Ein Neubeginn einer Politik für die „Infrastrtuktur-Brennpunkte“ in Österreich für Bund, Länder und Gemeinden sei daher notwendig.
Die Zentralräume und Städte haben ein besseres Lobbying, sie sind stärker vernetzt – siehe Städtebund. Ein Manko sieht Dipl. Ing. Jeschke auch darin, dass auf Regierungsebene ein Beauftragter für den ländlichen Raum fehlt. Die Agenden sind auf mehrere Zuständigkeiten verteilt.Notwendig werde es auch sein, die naturraumlichen und kulturellen Potentiale des ländlichen Raums volkswirtschaftlich zu monetarisieren (in Geldwerten auszudrücken), sonst bleibt der Wert unterbelichtet. Was ist das Kultur- und Naturerbe wert? Was ist es wert, zu bewahren statt zu verändern? Was ist es wert, etwas nicht verwertbar zu machen?
Sozial- und Nachhaltigkeitsprinzipien, Soziales, Wohlfahrt und Familie, Wirtschaft, Gewerbe und Handwerk, Agrarpolitik, Arbeitsmarkt, Bildung und Ausbildung, ländliches Erbe und Kulturlandschaft – alle Bereiche sind zur politischen Gestaltung gefordert.
Jeschke Hans Peter (Hrsg., 1999): neue Strategien für die ländlich geprägten Räume Österreichs mit Beiträgen u. a. von Molterer, W; Quendler, T; Riegler, J. und Steiner, M. Eine der Einbegleitungen stammt von Fischler, F. Sonderausgabe der Agrarischen Rundschau Juni 1999, Ökosoziales Forum Österreich, 136 Seiten, S 220,–.