Serie: Symbole - Bilder der Seele des Menschen (2)
Ausgabe: 2000/04, Türen
25.01.2000
- Brigitte Huemer
Wie oft im Laufe eines Wochentages gehe ich durch eine Tür? Ich gehe aus meinem Zimmer in Küche und Bad, schließe meine Wohnungstür und die Haustür ab, wenn ich in die Arbeit fahre, gehe ins Büro . . . in den allermeisten Fällen nehme ich es nicht bewusst wahr. Eine Tür, die unerwartet offen oder versperrt ist, oder die große schwere Holztür der Kirche, für die ich Kraft brauche, sie zu öffnen, machen mir bewußt: ich gehe durch eine Türe, ich trete ein in einem Raum, ich verlasse das Haus und trete ins Freie . . .
Eine Tür gibt Einlass, eröffnet neue Räume, gibt die Wege dahinter für mich frei. Eine Tür schließt hinter mir ab, sie gibt Schutz vor dem, was draußen ist, z. B. die Kälte des Winters. Eine Tür kann aber auch einsperren – viele allein stehende Menschen leben in Einsamkeit, verborgen hinter den verschlossenen Türen der Wohnungen. Eine Tür kann aussperren: hier entscheidet sich, ob ich öffne, ob ich die Tür und damit auch mich aufmache für den, der anläutet.Ich weiß noch gut, dass ich mich wunderte, warum denn die Haustüren alle offen standen in Itanhem, dem kleinen Dorf auf dem Lande in Brasilien, wo ich einige Wochen lebte. Niemand wäre auf die Idee gekommen, einfach so hinein zu gehen in ein fremdes Haus. Kam jemand zu Besuch, so blieb er vor der offenen Tür stehen, klatschte laut in die Hände und rief den Namen. Die offene Türe hieß dort: mein Haus steht für dich offen.
Jesus selbst spricht von sich als der Tür, zu der Menschen zum Heil gelangen (vgl. Joh 10, 7–10). Und eine von Menschen verschlossene Tür ist kein Hindernis für Gott. Zweimal begegnet in der Apostelgeschichte die Erzählung, dass Paulus, eingesperrt im Gefängnis, auf wundersame Weise befreit wird: ein Engel öffnet ihm das Tor (5, 19) ein Erdbeben lässt die Türen aufspringen (16, 26). Als sich die verzweifelten Jünger und Jüngerinnen nach Jesu Tod aus Furcht einsperren und verbarrikadieren, erleben sie, dass es für den Auferstandenen keine verschlossenen Türen gibt (Joh 20, 19). Jesus tritt in das Leben eines Menschen ein und bringt Leben herein, wann und wo er will.