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Kraftquellen einer gestärkten Kirche

Hofübergabe in der österreichweit stärksten Frauenorganisation
Ausgabe: 2000/04, KFB, Kath. Frauenbewegung, Hauft, Hofübergabe, Kraftquellen, Frauen
25.01.2000
- Hans Baumgartner
In fast allen oberösterreichischen Pfarren gehört die Katholische Frauenbewegung (kfb) zu den aktivsten Gruppen. Auch österreichweit hat die kfb enorm viel in Frauenanliegen weitergebracht, betont die scheidende Österreichvorsitzende Ingrid Klein. Am Donnerstag, 27. Jänner, feiert die kfb in Wien Abschied von ihr. Als Nachfolgerin wurde ja bekanntlich die Welserin Margit Hauft, Präsidentin der Katholischen Aktion und Frauenbewegungs-Vorsitzende in der Diözese Linz, gewählt. Ingrid Klein lobt vor allem die vielen pfarrlichen Frauengruppen. Diese sind der „größte Schatz“ der Katholischen Frauenbewegung, betont sie in einem Gespräch mit der Kirchenzeitung.

Ingrid Klein meldet allerdings auch einen Wunsch an: Frauen sollten in der Kirche nicht nur wegen ihrer vielfältigen Hilfeleistungen Wertschätzung erfahren. Es ginge um eine größere Anerkennung einer eigenständigen und selbstbewussten Frauenarbeit in der Kirche selbst.


Frauenbewegung zeigt ein Stück vitale Kirche


200.000 Mitglieder: eine starke Mitgift an die neue kfbö-Vorsitzende


„Die meisten Pfarrer und Bischöfe wollen in der Kirche möglichst viele aktive Frauen haben. Ob sie auch eine starke, selbstbewusste und eigenständige Frauenbewegung wollen, das ist nicht so sicher“, sagt die scheidende kfbö-Vorsitztende Ingrid Klein.

Wenn diese Woche Ingrid Klein die Leitung der Katholischen Frauenbewegung Österreichs (kfb) an Margit Hauft übergibt, kann sie das mit gutem Gewissen tun. Mit 200.000 Mitgliedern ist die kfb die größte Frauenorganisation des Landes. Während andere Großorganisationen in den vergangenen zehn Jahren viel an Zustimmung und Zulauf verloren haben, konnte die kfb ihren Mitgliederstand sogar noch leicht verbessern. Wie oft, so Ingrid Klein, habe sie gehört, die kfb sei ein Auslaufmodell, ein Relikt des alten kirchlichen Standesdenkens, eigentlich schon Schnee von gestern.

Wach für Zeichen der Zeit


In den Schoß gefallen ist diese Entwicklung der Katholischen Frauenbewegung nicht, auch wenn Ingrid Klein sagt, daß „wir heute vom Aufbruch der Frauen zu mehr Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit, der in der Emanzipationsbewegung der 70er Jahre begonnen hat, ernten“. Dass diese Entwicklung möglich war, obwohl gerade in den letzten zehn Jahren sich auch bei den Frauen die Kirchenbindungen deutlich gelockert haben, hat mehrere Mütter:

– die Wachheit für die Zeichen der Zeit, etwa für das wachsende Bedürfnis der Frauen, ihre Persönlichkeit zu entfalten, alte Rollenbilder zu überwinden und neue Wege des Lebens und Glaubens zu erproben;

– die Offenheit, Frauen mit verschiedenen Bedürfnissen und unterschiedlichen Lebenssituationen Raum für Entfaltung, Beheimatung und Hilfe zu geben;

– die Pflege und Erneuerung alter Schätze, vor allem der Frauengruppen;

– organisatorische Erneuerungen, die den Zusammenhalt und den Informationsfluss verbessert und das Wir-Gefühl gestärkt haben.

Lebendiges Programm


Eine wichtige Stationen auf diesem Weg war für Ingrid Klein der „Leitlinienprozess“ in den Jahren 1992/93. „Diese breite Diskussion hat nicht nur zu 44 prägnanten Programmpunkten geführt, in denen wir sagen, wer wir sind, was uns bewegt und was wir wollen. Wenn ich in die Pfarren hinauskomme, erlebe ich, daß diese Leitlinen kein totes Stück Papier sind, sondern wie die Gruppen damit arbeiten, wie sie daraus die unterschiedlichsten Projekte und Arbeitsschwerpunkte ableiten, eben das, was für sie gerade wichtig ist. Der Leitlinienprozess“, so Ingrid Klein, „hat die kfb stark geprägt. Das Bewusstsein, ein gemeinsames Programm zu haben, an dem ich mitschreiben konnte, stärkt das Wir-Gefühl und die Motivation.“

Als weiteren wichtigen Schritt in ihrer 12-jährigen Amtszeit bezeichnet Ingrid Klein die Organisationsreform. „Dabei haben wir nach dem Satz ,Es muß feste Bräuche geben‘ versucht, die kfb quasi zu einem ,Markenzeichen‘ zu machen – durch gemeinsame Zeichen und Farben, durch wiederkehrende Aktionen und verbindliche Mitgliedschaften.“ Ein zweiter Schritt war der Umbau der Bundesleitung vor drei Jahren. Durch die Einbindung von Vertreterinnen aus allen Diözesen konnte nicht nur der Informationsfluss wesentlich verbessert werden, sondern auch das Aufarbeiten unterschiedlicher Positionen und Konflikte. „Diese Reform war auch deshalb notwendig geworden“, so Ingrid Klein, „weil wir gemerkt haben, dass uns manche Diözesen ,entlaufen‘ oder entzogen werden. Vor allem die Strukturreformen in den Diözesen Feldkirch und Innsbruck, wo durch eigene diözesane Frauenreferate der kfb wichtige Mitarbeiterinnen enzogen wurden, haben erhebliche Probleme geschaffen.“

An der Basis ist das Leben


Als größten Schatz der kfb bezeichnet Ingrid Klein die Frauengruppen. „Da haben wir sehr viel investiert in die Aus- und Weiterbildung der Gruppenleiterinnen, in die Erstellung von Behelfen und in eine eigene Zeitung. Es war mir sehr wichtig, dass es in möglichst vielen Pfarren möglichst viele und unterschiedliche Frauengruppen gibt, denn dort ereignet sich das Leben und der Glaube. Die hohe Anerkennung der Frauenbewegung im politischen und gesellschaftlichen Bereich, hat auch damit zu tun, dass die kfbö kein Wasserkopf ist, sondern eine ganz vitale Basis in ihren vielen Gruppen hat, wo sich Frauen füreinander und miteinander engagieren, wo sie das Leben und den Glauben miteinander teilen.“

Die zwei großen Frauenfeste in Salzburg zum 40. und 50 Geburtstag der kfb (1987 und 1997) waren für Ingrid Klein nicht nur ein tiefes Erlebnis von der Lebendigkeit und Buntheit der Frauenbewegung. Es war auch der Versuch, zehntausend Frauen aus ganz Österreich, die in den Pfarren die alltägliche Arbeit machen, am Leben des Ganzen teilhaben zu lassen und ihnen durch die Begegnung mit anderen Frauen und deren Arbeit Ermutigung und Motivation zu geben. Solche Kraft- quellen seien durchaus notwenig, meint Ingrid Klein. „Auch wenn die Sensibilität für Frauenfragen und Frauenanliegen in der Kirche gewachsen ist, so erlebe ich ebenso wie viele Frauen, dass so manchen Pfarrern und Bischöfen möglichst viele aktive Frauen durchaus willkommen sind, dass sie mit einer eigenständigen und selbstbewussten Frauenbewegung aber ihre Probleme haben.“
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