Gleich zu Beginn seines Evangeliums, nach der Berufung der ersten Jünger, berichtet Markus von einer Reihe von Heilungen, darunter auch der Heilung eines Aussätzigen. Für ihn war nicht nur die Krankheit an sich schlimm, sondern vor allem das Ausgeschlossen-Sein von jeder Gemeinschaft, das Verbot, mit Gesunden in Kontakt zu treten, das materielle Ausgeliefert-Sein. Zum äußeren Aussatz kam einer dazu, der den Kranken von innen zerfraß.
Wenn wir an die „Aussätzigen“ in unserer Umgebung denken – Alkoholkranke, Drogenabhängige, Aids-Kranke, Arme, Sterbende, um nur einige zu nennen –, so erleben wir, wie sie sehr verschieden mit ihren Krankheiten umgehen. Manche kämpfen gegen ihr Schicksal an, versuchen, durch ihren eigenen Willen wieder gesund zu werden, andere lassen sich gehen und geben auf und wieder andere suchen Hilfe und nehmen sie auch an. Der Grund ihres Handelns ist die Sehnsucht nach Leben, und je stärker sie ist, umso eher ist Heilung möglich.
Der Aussätzige dieses Evangeliums lebt in Kontakt mit seiner Sehnsucht. Er überwindet innere und äußere Grenzen, indem er zu Jesus hingeht und ihn um Heilung bittet. Seine Sehnsucht lässt ihn hoffen, dass Jesus nicht nur seine Krankheit heilen wird, sondern dass er ganz heil wird – ein Mensch, dem wieder sein Platz in der Gesellschaft offen steht.
Jesus berührt ihn in seiner Wirklichkeit. Er nimmt in der Öffentlichkeit Kontakt zu ihm auf und scheut sich nicht, dadurch selbst von den anderen so behandelt zu werden. Er nimmt ihn an in seinem körperlichen und seelischen Leid, in der ganzen Wirklichkeit seines Lebens. Seine Sehnsucht nach Heil ist ihm genug. Jesu Berührung macht heil und die Priester sollen diese Heilung bestätigen, damit er in die Gemeinschaft aufgenommen werden kann.
Wie geht es den „Aussätzigen“ unserer Zeit, wenn sie um Heilung bitten? Finden sie uns als Menschen, die Mitleid mit ihnen haben, die sie „berühren“, ohne Angst um ihr Ansehen und ihre Stellung in der Gesellschaft. Und sind wir und unsere Gemeinden offen genug, den Geheilten ein Lebensraum zu sein und ihnen Platz unter uns zu geben?
Der Geheilte erzählt voll Freude, was ihm geschehen ist. Er kann nicht darüber schweigen. Seine Freude und sein Vertrauen sind ansteckend. Sogar an einsamen Orten wird Jesus von Menschen aufgespürt. Sie sind getrieben von der Sehnsucht, dass Jesus sie in ihrem ganzen Menschsein berührt, sie heilt, ihnen ihre Würde und ihren Platz zukommen lässt. Suchen auch wir ihn in unserem Sehnen?