Ausgabe: 2000/07, Nato, Raiser, Ökum. Rat der Kirchen
15.02.2000
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Äußerst kritisch äußerte sich der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (Weltkirchenrat), Konrad Raiser, zur Rechtfertigung bewaffneter Interventionen zur Sicherung von Menschenrechten. Bei einer internationalen Konferenz von Militärseelsorgern forderte Raiser, dass der Einsatz militärischer Mittel für „humanitäre Zwecke“ zum äußersten Ausnahmefall erklärt werden müsste, der genauen völkerrechtlichen Regeln unterliegt. Raiser bedauerte, dass es in der ethischen wie in der politischen Diskussion vorrangig darum gehe, derartige Militäraktionen, wie etwa das NATO-Eingreifen im Kosovo-Konflikt, zu rechtfertigen. Über die Entwicklung nichtmilitärischer Alternativen zum Schutz der Menschenrechte und zum Abbau von Konflikten gebe es von offizieller Seite kaum ernsthafte Überlegungen. Raiser forderte die Schaffung eines UNO-Frühwarnsystems zum rechtzeitigen Erkennen von Konfliktherden (siehe Ruanda und Osttimor!) und den Ausbau wirksamer nichtmilitärischer internationaler Maßnahmen zum Schutz der Menschenrechte. Dazu müssten entsprechende Mittel umgeleitet werden. Vergleicht man die Kosten des Kosovo-Krieges mit den Beiträgen zum Wiederaufbau, dann müsse man freilich feststellen, so Raiser, dass es bisher keinen Willen zu einer Neuorientierung gebe.