Das Drama seines Leidens vor Augen, setzt Jesus ein letztes Zeichen. Lebensmittel für uns und Gemeinschaft mit Gott – das ist sein Vermächtnis.
Die letzten Tage des Jesus von Nazaret sind voller Anspannung. Der Mann aus Galiläa wird immer mehr in die Enge getrieben. Insbesondere der Angriff auf den Tempel macht deutlich: es wird sehr bald zu einer letzten Entscheidung kommen. Soll Jesus daher mit seinen Anhängern in die nahe Wüste fliehen und untertauchen? Oder soll er sein bisheriges Tun öffentlich widerrufen und Versöhnung mit dem religiösen Establishment anstreben? Jesus entscheidet sich anders: Er bleibt inmitten der Bedrohung sich und seiner Überzeugung treu – nämlich, dass mit ihm Gott selbst auf die Menschen zukommt: ermutigend, menschenfreundlich, vergebend, aber auch herausfordernd, unbequem, ganz anders als erwartet. Mit Jesus ist das Kommen Gottes untrennbar verbunden. Doch was wird aus diesem Kommen, aus dem Reich Gottes, wenn der, der es verkörpert, sterben muss?
Heil im Scheitern
Ein Satz während des letzten Abendmahles lässt erahnen, wie Jesus diese dramatische Frage für sich entschieden hat. „Amen, ich sage euch: Ich werde nicht mehr vom Gewächs des Weinstocks trinken (nicht mehr Mahl halten), bis das Reich Gottes kommt“ (Mk 14,25, Mt 26,29; Lk 22,18). Jesus rechnet also mit dem Tod, aber dieser wird das Kommen Gottes und sein Wirken nicht aufhalten können – Gott ist stärker! Ja, Jesus beginnt sein Scheitern sogar neu zu sehen: So wie er in seinem Leben für die Menschen da war, will er auch jetzt in seinem Tod für sie zum Heil werden. All das drückt der Mann aus Galiläa in einem feierlichen Abschiedsmahl aus – mit tiefen Worten: Jesus liegt mit seinen Jüngern zu Tisch. Vor dem Mahl segnet er ein Brot nach jüdischer Tradition, er bricht es, reicht es weiter und sagt dabei: „Dies ist mein Leib.“ Auf Aramäisch, der Muttersprache Jesu, dürften diese Worte gelautet haben: „dena bis’ri.“ Mit dem Wort „bis’ri“ ist nicht nur der Leib gemeint, sondern der Mensch in seiner Gesamtheit. Jesus sagt also: Dieses Brot bin ich selbst, in meiner ganzen Person. Wer dieses Brot isst, zu dem komme ich genau so, wie ich zu den Menschen bisher gekommen bin – mit meiner Kraft, meiner Zuwendung, meinem Wohlwollen.
Der, in dem Gottes Herrschaft sichtbar wird, identifiziert sich mit einem gewöhnlichen Brot – und nicht mit Symbolen, die für Stärke, Einfluss und Sichdurchsetzen stehen! Jesus identifiziert sich mit einem Lebensmittel, dessen Nutzen darin liegt, auseinandergerissen und verzehrt zu werden, Nahrung zu sein – für andere. Im Brot zeigt sich daher Leben und Botschaft Jesu wieder. Es ermutigt – so wie er – „einander Nahrung zu sein“, nicht verschlingende, raffende Gier.
Gemeinschaft mit Gott
Nach dem Mahl reicht Jesus schließlich einen Weinbecher herum mit den Worten: „Dieser Becher ist der Neue Bund in meinem Blut!“ Damit gibt er zu verstehen: Mein gewaltsamer Tod (dafür steht „Blut“) beendet nicht meine Lebensaufgabe, den Menschen die Gemeinschaft mit Gott nahe zu bringen. Im Gegenteil, durch meinen Tod lässt Gott selbst diese Gemeinschaft hier und jetzt beginnen. Jeder, der vom „Blut Jesu“ trinkt, bekommt Anteil an dieser belebenden Gemeinschaft, dem „Neuen Bund“! Ob man uns das anmerkt?
Bedenk-Text
Dichte Zeichen Statt Faust und Raffgier “Lebens-Mittel”
Darin verborgen Zu-Mut-ung: Was ich bin versuche zu werden – Nahrung für die anderen
Das alles nicht ohne göttlichen Vorgeschmack auf Leben Versöhnung Entfaltung – Wein … nicht nur!