Ausgabe: 2000/21, Tankstelle für Kinder, Kath. Jungschar, Kinderpastoral, Hirtenbrief,
23.05.2000
- Hans Baumgartner
Jahresaktion der Jungschar: Kraftstoff Gruppe – Kinderfeste am 27. Mai
Kinder lernen schon früh das Pendlerdasein kennen. Wohn- und Schulort liegen oft auseinander. Für die Gemeinschaft im eigenen Ort bleibt dann wenig Zeit. Die moderne Lebenswelt hat eher die Bedürfnisse des Einzelmenschen als das Wohl der Gemeinschaft im Auge. Mit einem österreichweiten Aktionstag am 27. Mai macht die Katholische Jungschar aufmerksam: Gemeinschaft ist für Kinder unabdingbar, die Gruppe bedeutet so etwas wie einen Kraftstoff für ihr Leben. „Jugendbischof“ Dr. Paul Iby hat der Aktion einen „Kinder-Hirtenbrief“ mit auf den Weg gegeben. Er wirbt für gute Rahmenbedingungen für Heranwachsende in Familien und Pfarren. In der Diözese Linz ist die Jungschararbeit gut entfaltet. 140.000 Kinder treffen sich wöchentlich in etwa 14.000 Jungschargruppen, um gemeinsam Spaß zu haben, zu spielen und aktiv ihr Leben und das Geschehen um sie herum wahrzunehmen und mitzugestalten.
Tausende Jungscharführer/innen und ihre Gruppen werkeln in diesen Tagen auf Hochtouren. Am 27. Mai laden sie zu Kinderfesten im ganzen Land.
Mit der Jahresaktion 2000 betritt die Katholische Jungschar Österreichs und Südtirols Neuland. „Anstatt der bisherigen Jahresthemen, die Schwerpunkte für die interne Arbeit in den Gruppen gesetzt haben, gehen wir heuer bewusst hinaus auf die Plätze und Straßen. In vielen Pfarren und Dekanaten werden zum Aktionstag am 27. Mai Kinderfeste stattfinden. Wir wollen damit zweierlei erreichen: Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse der Kinder in Pfarre und Gemeinde schaffen und die Jungschar als Lebensraum für Mädchen und Buben präsentieren“, betont Bundesgeschäftsführer Reinhard Feichnter. „Kraftstoff Gruppe“ heißt des Motto für die Jahresaktion 2000. „Damit wollen wir deutlich machen, dass für die Jungschararbeit die verbindliche Gruppe Gleichaltriger einen zentralen Stellenwert hat“, betont Feichtner. „Da auch in der Kinder- und Jugendarbeit zeitlich begrenzte Projekte immer mehr in Mode kommen, wollen wir aufzeigen, wie wichtig eine verlässliche Gruppe für die Entwicklung der Kinder ist, für den Aufbau von Beziehungen, für das Erlernen von sozialem Verhalten, für das Gefühl von Geborgenheit und das Erfahren von Gemeinschaft und Kirche.“
Klasse Erfahrung
Mit der Jahresaktion, so Reinhard Feichtner, soll die gesellschaftliche Bedeutung der Jungschargruppen als „Tankstellen, die den Kraftstoff für ein glückliches Kindsein liefern, unterstrichen werden. Wir haben aber auch die Jungscharkinder selber eingeladen, ihre Gruppe näher unter die Lupe zu nehmen, was ihnen gefällt, was sie stört und was ihnen die Gemeinschaft bedeutet.“ Die daraus entstandenen Gruppen-Bilder sollen rund um den Aktionstag präsentiert werden. Für Maria Biermeier, die zehn Jahre lang eine Jungschar- und Jugendgruppe geleitet hat, ist die Gruppe „ein Ort zum Wohlfühlen, wo man miteinander Spaß hat und zusammen arbeitet, wo Vertrautheit entsteht, die es möglich macht, am Leben der anderen teilzunehmen. Die Gruppe“, so Maria Biermeier, „ ist den Kindern sehr viel wert, so dass sie auch dann gerne kommen, wenn nicht jedes Mal ein Hit geboten wird.“ Zu ihrem Engagement meint sie rückblickend: „Eine Kindergruppe zu leiten, bedeutet für einen Jugendlichen eine ziemliche Herausforderung. Das ist manchmal ganz schön hart. Aber all das, was du an Zeit und Wissen, an Begeisterung, Zuneigung und Kreativität investierst, bekommst du zurück – von den Kindern und der Gemeinschaft der Gruppenleiter/innen. So gesehen war das einfach eine klasse Erfahrung.“
Hirtenbrief
In seinem Hirtenbrief zur Jahresaktion der Jungschar lädt Jugendbischof Paul Iby dazu ein, die Kinder in den Familien, in den Pfarren und Gemeinden bewusst „in die Mitte zu stellen“, ihre Anliegen ernst zu nehmen und ihre Entwicklung zu fördern. Für die Kinderpastoral nennt Iby drei Aufgaben:
Die Sorge um gute Rahmenbedingungen für das Heranwachsen der Kinder in der Familie; die Sorge um Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten der Kinder in der Kirche und Gesellschaft: die Sorge um das individuelle, soziale und geistliche Wachstum der Kinder.
Zur Sache:
Hinausgehen aus den vertrauten (kirchlichen) Räumen, das will die Katholische Jungschar mit ihrer Jahresaktion „Kraftstoff Gruppe“. In der Diözese Innsbruck wurde daraus eine ganze Tournee.
Tournee 2000 durch Tirol
Acht Jungscharteams in wechselnder Besetzung waren während der ganzen Fastenzeit in Tirol unterwegs. Sie besuchten 236 Pfarren. Dort gab es jeweils am Nachmittag ein Spielfest, an denen insgesamt an die 10.000 Kinder teilnahmen. Unterwegs mit der „Arche Noah“ besuchten die Kinder dabei biblische Gestalten, machten einen Quiz und landeten schließlich bei einer Jause. Am Abend stand jeweils ein Gespräch mit Erwachsenen auf dem Programm. Dabei wurden die Angebote für Kinder und Jugendliche in der konkreten Pfarre und Gemeinde unter die Lupe genommen – auch mittels eines Fragebogens – und die Arbeit der Jungschar vorgestellt. „Das Interesse, auch von Vertretern der politischen Gemeinden, war überraschend groß. Daraus haben sich viele wichtige Kontakte und konkrete Impulse ergeben“, berichtet die Diözesansekretärin der Jungschar, Christine Felder.
„Die Vorbereitung und Durchführung der Tournee 2000 hat uns stark gefordert, der Aufwand aber hat sich gelohnt“, ist Felder zuversichtlich, für die Kinder in Tirol und für die Jungschar einiges auf den Weg gebracht zu haben. In vielen Pfarren und Gemeinden gibt es zumindest gute Vorsätze: für die Kinderliturgie, für die Beschaffung von Gruppenräumen (bis zur Errichtung eines Pfarrzen-trums mit Hilfe der Gemeinde), für die Gründung von Gruppen, für die Beteiligung von Kindern bei der Planung von Spielplätzen u. v. a.