kfb-Angebot: Ohrwurm-Oldies und neue Songs für flotte Seniorinnen
Ausgabe: 2000/21, Singen, KFB, Wir über 50
23.05.2000
- Maria Haunschmidt
„Musik begleitet mich von Kindheit an. Singen ist mein Leben“, schwärmen die sangesfreudigen Damen, die sich zum Singnachmittag in das Linzer Haus der Frau eingefunden haben.
Es sind Frauen zwischen 55 und 73 Jahren, von der noch Berufstätigen aus der Stadt bis zur Altbäuerin aus dem Mühlviertel. Diese ist extra mit dem Postbus angereist. Gemeinsam ist ihnen die Freude am Singen. Das verbindet. „Singen befreit, lässt Probleme vergessen und wirkt sich positiv auf Körper und Seele aus“, ist die Erfahrung Hilde Kallingers vom diözesanen kfb-Arbeitskreis „Wir über 50“. Sie steht als Motor hinter den Sing-Aktivitäten, weil sie immer wieder die Erfahrung machte: Die Leute singen so gern. Auch sieht sie im Auswendiglernen von Liedtexten eine gute Gedächtnisübung für ältere Menschen. Es gibt bereits kfb-Gruppen, die sich regelmäßig zum Singen treffen sowie auch Gottesdienste mitgestalten und andere Auftritte haben. Und weil nicht nur Frauen sangesfreudig sind, steht etwa die Welser Gruppe auch Männern offen, was beweist, dass die Frauenbewegung recht emanzipiert ist ...Musiklehrerin und Leiterin Anna Pöcherstorfer begleitet heute per Gitarre durch ein Wunschkonzert der Geschmäcker von „Mit Lieb bin ich umfangen“ über den Kanon „Frühlingszeit“, Ohrwurm-Schnulzen wie „Ein Schiff wird kommen” bis zu „Hinten bei der Stadltür“. „Wir singen Musicals genauso gern wie Kärntner Lieder“, verraten einige Sängerinnen. Manche kennen zusätzliche Strophen, die in keinem Liederbuch stehen. „Hände und Kniee, klatsch in die Hände, und ein jeder auf die Kniee”. Bei den Singspielen heißt es sich zu konzentrieren.„Früher hatte ich eine schöne Stimme, habe mich aber kaum zu singen getraut. Jetzt habe ich keine Stimme mehr, aber ich trau mich“, zeigt Frau Anneliese, die 50 Jahre beim Kirchenchor sang, Humor. „Wir müssen nicht perfekt sein!“, ermutigt Musiklehrerin Anna Pöcherstorfer. Die Schnulzenfloskel „Schöner fremder Mann“ finden die Sängerinnen in ihrem Alter belustigend. Frau Marianne: „Meine Enkel dürften das nicht hören!“
Singen verbindet
„Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt ...“, kräftig erschallen die Stimmen. Wegen des Mailüfterls sind die Fenster geöffnet. Der Bauarbeiter am Gerüst auf der gegenüberliegenden Straßenseite pfeift sogleich mit ... „Früher haben wir bei der Kath. Jungschar und Kath. Jugend viel gesungen“, kramen die Damen in ihren Erinnerungen. Jetzt singen die meisten eher für den Hausgebrauch, in der Küche oder bei Familienfesten und geben die Lieder an die Enkel weiter. „Schade, dass die Jungen heute kaum mehr singen!”, bedauern die Sängerinnen. Altes Liedgut an die „Ohrstöpsel-Generation“ – wie es eine Frau ausdrückt – weiterzugeben, sei auch ein Kulturauftrag. Der einhellige Wunsch: Kinder und Jugendliche sollten in den Schulen mehr zum Singen motiviert werden! Die Bäuerin Cäcilia, die eine besondere Begabung hat, Liedtexte situationsgerecht umzudichten – freut sich, dass auf ihre Anregung Lieder, die der Vergessenheit anheim gefallen wären, aufgeschrieben wurden. Die drei Singstunden vergehen wie im Flug. „Schade, dass es schon vorbei ist!“, bedauern die Damen, die sich mit Notenmaterialien ausgestattet wieder in alle Winde zerstreuen. „Wir treffen uns sicher wieder zum Singen!“, beschließen sie.
Anlaufstellen für kfb-Gruppen:
kfb-Feldkirch, Bahnhofstraße 13, 6800 Feldkirch, Tel. 05522/34 85, kfb-Innsbruck, Riedgasse 9, 6020 Innsbruck Tel. 0512/22 30-530, kfb-Linz, Kapuzinerstraße 84, 4020 Linz, Tel 0732/76 10-33 41. Die kfb-Linz gibt auch gern Auskunft über den in der Diözese Linz seit acht Jahren bestehenden AK „Wir über 50“, in dessen Rahmen es nun zu Gedächtnistraining und Lebensbewältigungskursen auch Sing-Angebote gibt.