„Christus in den Medien verkünden“ heißt es am 4. Juni, dem Mediensonntag
Ausgabe: 2000/22, Simbabwe, Mediensonntag,
30.05.2000
- P. Oskar Wermter SJ
In Simbabwe hat Sr. Tendai eine Fernsehserie über das Christentum gedreht. Und ihr Charme bringt selbst scheue Interviewpartner zum Reden.
„2000 Jahre seit Christi Geburt: vergangene Glorie oder gegenwärtige Kraft?“ Diese Frage hat Schwester Theresa Tendai Makonese OP aus Simbabwe mit der Fernsehkamera beantwortet. Über ein Jahr hatte sie mit dem staatlichen Fernsehen des Landes verhandelt. Schlussendlich war es soweit: 26 Beiträge zu je 15 Minuten waren zu produzieren. Das von ihr geschriebene Drehbuch lag vor. Tererai Karimakuenda, der sein Handwerk als Kameramann in den USA gelernt hatte, und seine Assistenten kletterten in den Lieferwagen der Ordensfrau. Erster Dreh: die „Gemeinschaft der Mutter des Friedens“ in Mutoko, 140 km östlich der Hauptstadt Harare. Die meisten der elternlosen Kinder, die von den schwarz und weiß gemischten Mitgliedern der Gemeinschaft betreut werden, sind HIV positiv. „Gerade diese Kinder brauchen unsere Liebe“, sagt Mercy Mutyambizi. Simbabwe hat eine der höchsten HIV-Raten in der Welt. Jede Woche sterben über 1000 Menschen an Aids, meist junge Erwachsene, die Kinder hinterlassen von denen wieder rund ein Drittel infiziert ist.
Mercy hat sich entschieden
Die Fernsehleute, die sonst Nachrichtensendungen machen, staunen, dass sich hier Leute um diese „hoffnungslosen“ Fälle kümmern. Mercy Mutyambizi hat 80 Kinder, die durch Aids zu Waisen geworden sind. Mercy hat sich entschieden, ihr Leben für sie einzusetzen. Sie hat es geschafft, für diese Kinder Pflegeeltern zu finden, die sie mit Hilfe von Freunden und ihrer eigenen Hände Arbeit unterstützt. Im Interview sagt Mercy: „Auch angesichts der Aids-Katastrophe muss man nicht verzweifeln.“ Nächster Stopp: die Schwestern von Mutter Teresa. Zwei Inderinnen und zwei Afrikanerinnen aus Kenia und Tanzania sammeln an den Bushaltestellen von Mbare und in den Elendsvierteln von Harare menschliche Wracks auf und geben ihnen ein Heim. Die koloniale „Wegwerfgesellschaft“ hatte keine Altersversorgung für (oft ausländische) Gastarbeiter vorgesehen. Am glücklichsten sind die Nonnen, wenn sie nach einer Zeit des „Aufpeppelns“ die alten Leute zu ihren Familien zurückführen können. Die Schwestern sind scheu, nicht so medienvertaut wie ihre Gründerin. Aber Sr. Tendai mit ihrem warmen Lächeln bringt die vier zum Sprechen. Und die jungen Männer mit ihren Kameras und Schweinwerfern sind verwundert: wo kommt das bloß her, diese Liebe und Besorgnis, Anmut und Fröhlichkeit der Frauen in den blau-weißen Saris?
Jedes Kind ist kostbar
Sr. Tendais Kamera bringt vieles zutage, was bislang im Verborgenen geschah: ein weiterer Besuch gilt drei afrikanischen Geistlichen (katholisch, anglikanisch und reformiert), die seit zwölf Jahren Tag für Tag gemeinsam die Bibel in die Landessprache Shona neu zu übersetzen. Juliet Tarira, Absolventin der von Jesuiten gegründeten Schule für Sozialarbeit, hat eine Tochter. Der Vater des Kindes war nicht an einer Heirat interessiert. Heute leitet Juliet „Shelter Trust“ ein Heim für gefährdete Mütter. Sie weiß, was die Mädchen und Frauen mitgemacht haben. Das Haus heißt „Mwana anokosha“ („Jedes Kind ist kostbar“). Die Fernsehsendung darüber zeigt verzweifelten jungen Frauen, dass es doch auch einen Ausweg gibt. Eine US-amerikanische Ordensfrau hatte das Heim aufgebaut, das heute Juliet leitet. Auch ein gelungenes Beispiel dafür, wie ein „Missionswerk“ durch Einheimische übernommen wird. Mit noch vielen weiteren Initiativen zeigt Sr. Tendai, was der Geist Jesu bis heute bewirkt: Hunger nach Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Achtung vor dem Leben auch der Geringsten, praktische Nächstenliebe auch über Rassen- und sonstige Grenzen hinweg. Die ersten, die Tendai Makonese davon überzeugt zu haben scheint, sind ihre Kameraleute. Sie kommen aus dem Staunen nicht heraus, wie sie selber sagen. Klaglos machen sie Überstunden ohne zu murren, wenn die Aufnahmen von Musik und Gesang in einer Vorstadtkirche – junge Mitschwestern von Tendai tanzen dazu – noch in die Nacht hinein dauern.
Gegenkultur im Fernsehen
Das Evangelium muss herausfordern, muss so etwas wie eine „Gegenkultur“ darstellen, sagt Sr. Tendai, die im Medienbüro der Bischofskonferenz von Simbabwe arbeitet. „Zimbabwe Television“ ist nicht sehr afrikanisch: es ist überflutet von billigen US-amerikanischen „Seifenopern“ und „musical clips“. „Eine faszinierende Scheinwelt von Reichtum und Erfolg, von harten Ellenbogen und brutaler Konkurrenz wird da den jungen Leuten vorgegaukelt.“ Sr. Tendai hat nur 15 Minuten am Sonntag, um sich dieser Flut entgegenzustemmen. Ihr großer Vorteil: ihre Sendereihe ist „made in Zimbabwe“, ist keine fremde Importware. Und mit ihrem Charme und warmen Lächeln, mit dem sie am Ende jeder Sendung zur nächsten einlädt, ist sie einfach „anders“ als die gekonnt verpackten, glitzernden Produkte der Unterhaltungsindustrie.