- Kirchenzeitung der Diözese Linz, Stefan Schlager
Jesus ist unter uns da – besonders in Brot und Wein – so glauben die Christen seit Anbeginn. Aber was bedeutet dieses Dasein für uns heute?
Jesus zieht sich an seinem letzten Lebenstag nicht zurück – gelähmt vor Angst und Hoffnungslosigkeit. Er feiert vielmehr ein Abschiedsmahl mit seinen Freunden. Dieses Mahl ist geprägt von zwei Zeichen voll tiefer Bedeutung. Seine Jünger und die späteren Christen verstehen diese Zeichen als Auftrag: so oft die Gemeinde Eucharistie feiert, ist Jesus da – höchstpersönlich! Unmittelbar nach den Osterereignissen dürfte die Urgemeinde noch in der von Jesus überlieferten Gestalt gefeiert haben: Das Brotritual kommt vor einem ausgedehnten Mahl, dann folgt das Becherritual. Rund 20 Jahre später – nach dem Jahre 50 – wird in den paulinischen Gemeinden der langwierige Mahlteil herausgelöst. Ehe man Eucharistie feiert, stärkt man sich in der Agape, dem Liebesmahl. Für die Zeit, in der Markus sein Evangelium schreibt (um 70), wird die Agape wahrscheinlich nicht mehr gefeiert – nur mehr das eucharistische Mahl mit Brot und Wein. Vielleicht spielten für den Wegfall des Mahlteiles praktische Gründe eine Rolle (zu viele Gemeindemitglieder, Missbräuche u. a.). Die eucharistische Feier mit Wein und Brot im Mittelpunkt aber hat sich bis heute erhalten. Vom gemeinsamen Mahl findet sich in der Kommunion ein symbolischer Rest.
Sein Dasein fordert heraus
Der Glaube an Jesu DASEIN – besonders in Brot und Wein – gehört von Beginn an zum Urgestein christlichen Glaubens. Wirkt dieses DASEIN aber heute noch anregend, aufregend, herausfordernd, einladend? Können Menschen mit diesem DASEIN etwas anfangen? Es tut gut, sich von Zeit zu Zeit zu vergewissern, wer denn eigentlich in Brot und Wein auf uns zukommt. Die Evangelien zeigen ganz deutlich: Jesu Dasein „berührt“. Er ermöglicht mit seinen Worten und Taten Selbstachtung, er lässt ausgeblendete, verkümmerte Lebensdimensionen und Sinn entdecken oder neu beginnen. Menschen erfahren durch seine Nähe Heilung und Ermutigung zum Füreinander. Sie erleben bei Jesus also eine nicht gekannte Menschenliebe, Freiheit, Größe – und einen „überraschend anderen“ Gott. Jesu Nähe – auch das ist ganz deutlich – macht vor allem keinen Halt vor „gezogenen Grenzen“: Er sucht gerade die Nähe derer, die aufgrund persönlicher, gesellschaftlicher und religiöser „Kriterien“ ausgeladen werden. Er geht auf die zu, die gescheitert sind – und sieht sich darin in Übereinstimmung mit seinem Vater! Müsste das nicht Vorbild, ja Leitlinie für seine Kirche sein?!
Wen erwarte ich?
Im Brot kommt aber auch der Auferstandene zu uns – der Auferstandene, der vom Leben gezeichnet ist und dessen Lebenswunden geheilt sind. Im Brot kommt einer zu uns, der Leid mit uns teilen kann, weil er selbst Leid und Tod kennt.Im letzten Buch der Bibel heißt es: „Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten, und wir werden Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir“ (Offb 3, 20 – siehe Bedenktext). Sollte diese Ankündigung nicht ermutigen, Hindernisse zu beseitigen, damit Jesus „ankommen“ kann? Einem „süßen“, überstrengen, konturlosen oder lebensfernen Jesus traut man wohl nur schwer zu, das eigene Leben – inmitten der modernen Welt – zu weiten, zu wandeln und zu bereichern. Wen erwarte ich?
Bedenk-Text
Klopfzeichen (Nach Offbarung 3,20)
Höre!!! Klopfzeichen … gegen verbittert ausgenützt verbraucht einsam tot
Horch auf!!! Klopfzeichen … die stören Lähmung Selbstmitleid Faustrecht Ellbogen
Öffne!!! … dem Klopfzeichen für Leben Mut Gelassenheit