Die Justizanstalt Wels legt Wert auf Arbeit und Produktivität
Ausgabe: 2000/22, Schloss Hamerling, Justizanstalt Wels,
30.05.2000
- Martin Kranzl-Greinecker
Mit ca. 130 Vollzugsplätzen ist die Justizanstalt Wels das dritt- kleinste Gefängnis Österreichs.
Vor gut hundert Jahren wurde das Welser Gefangenenhaus in der Hamerlingstraße (daher der Spitzname „Schloß Hamerling“) erbaut. Derzeit stehen umfangreiche Renovierungsarbeiten und ein Neubau am Programm. Seit zwei Jahren wird im Haus gebaut, noch einmal so lange werden die Arbeiten andauern. Ein Teil des Neubaus ist bereits in Betrieb: die Werkstätten, in denen Häftlinge Aufträge von „justizfremden Unternehmen“ ausführen. Radmontage und Keksformenerzeugung, Metallbau und Etikettieren im Akkord. Was die Firmen bezahlen, geht an den Staat, der Stundenlohn für Häftlinge bewegt sich zwischen 12 und 17 Schillingen, Unter den Einnahmen der Welser Justizanstalt spielen solche Aufträge eine wichtige Rolle.
Im Österreich-Vergleich ist Wels vorne dabei, betont Anstaltsleiter Hochstrasser. Seine rechte Hand, Justizwachekommandant Erwin Gattringer, ergänzt: „Wir waren immer ein Haus, in dem viel gearbeitet wurde.“ Es geht keineswegs nur um die Einnahmen oder um Beschäftigung für die Häftlinge. Es sei eine Chance, so das Gefängnis als eine Art Arbeitstraining zu gestalten. Sozial-, Kranken- und Pensionsversicherung freilich nicht inbegrifffen…
Ein Teil der Welser Häftlinge arbeitet als „Freigänger“ Tag für Tag „draußen“. Manche/r fand so den Job für die Zeit nach der Entlassung. Schlechte Erfahrungen sind selten, 1999 gingen von 111 Freigängern vier stiften, nur zwei wurden straffällig.
Stichwort:
Das „Große Jubeljahr 2000“ soll auch in den Gefängnissen begangen werden, schlug Papst Johannes Paul II. vor. Er selbst besucht am 9. Juli ein Gefängnis in Rom, um ein „Zeichen der Umkehr, der Befreiung und des Neubeginns“ zu setzen. Jeder Bischof ist aufgefordert, an diesem Tag ebenfalls ein Gefängnis zu besuchen und Gottesdienst zu feiern. In OÖ. feiert Bischof Aichern diesen Gottesdienst am 9. Juli in der Justizanstalt Wels. Zugleich werden eine Wanderausstellung mit Gefängnisbildern und das Buch „Alltag im Gefängnis“ präsentiert.