Ausgabe: 2000/22, Zoe, Tag des Lebens, Schwangerenberatung, Geburt
30.05.2000
- Ernst Gansinger
1. Juni, Tag des Lebens. – Ein alter Hut: Hier dieKirche, die – schon heiser geworden – „Tag des Lebens“ ruft; dort die Gesellschaft, die sich nicht von Sentimentalitäten aufhalten lässt?
Nein, heuer ist etwas anders. Mehrerediözesane Einrichtungen haben sich zusammengetan und ein Beratungszentrum rund um Schwangerschaft, Geburt und Elternschaft errichtet: Die Kongregation der Barmherzigen Schwestern, die Ehe- und Familienberatung der Diözese Linz und die Aktion Leben werden am 7. Juni um 15 Uhr „Zoe“, ihr gemeinsames Zentrum in Linz, Bürgerstraße 1, eröffnen. Der Ruf kann damit kräftiger werden. („Zoe“ ist griechisch und bedeutet „Leben“.)
Die Angst verringern
Schwangerenberatung, so könnte man denken, ist nichts Neues. Um sie nimmt sich die Kirche – die Familienberatung und Aktion Leben etwa – ja seit Jahren an. Das schon, aber neu ist die vernetzte Anstrengung. So entsteht ein besonderes Angebot für einen wachsenden Bedarf in einer Welt, die über das (werdende) Leben zunehmend Daten bereitstellt. Daten, die zu deuten sind und mit deren Bedeutung viele allein gelassen sind. Hier will Zoe offen, wertfrei und einfühlsam beraten und begleiten.
Zoe macht sich auch Erfahrungen der Beratungsstelle CARA in Bremen zu Nutze: Mehr und mehr Frauen, aber auch Männer, erleben Angst und Verunsicherung in der Schwangerschaft. So sehr der Fortschritt der Medizin ein Segen ist, so sehr muss gesehen werden, dass beispielsweise die medizinisch-technischen Möglichkeiten in der pränatalen Diagnose auch nach erhöhter Beratung und Begleitung verlangen.
Frauen in schwierigen Situationen
Frauen sprachen in einer Erhebung von CARA die Unzufriedenheit an, dass sie sich mit ihren Zweifeln nicht ernst genommen fühlten. Sie erlebten Erwartungsdruck, vorgeburtliche Untersuchungen machen zu lassen. Sie sprachen die Angst vor einer Behinderung des Kindes an. Diese Angst hat mehrere Ausfaltungen: Angst, das Kind nicht lieben zu können. Angst im Falle der Geburt eines behinderten Kindes vom Partner verlassen zu werden. Angst vor Vorwürfen. Angst vor Schuldzuweisungen. Angst, der Aufgabe nicht gewachsen zu sein oder wirtschaftlich unter Druck zu kommen...
Zoe versteht sich auch nicht in Distanz zu ihr. Monika Kornfehl, Leiterin der Ehe- und Familienberatung der Diözese Linz, schätzt die guten Kontakte, die seit Jahren zur Frauenklinik (Dr. Arzt) bestehen und betont die Wichtigkeit des guten Miteinanders. Schwangerschaft und Geburt zählen zu den bewegendsten Ereignissen für Frauen und Männer, sagt sie. Das Wissen um die Vorgänge, das von Generation zu Generation weitergegeben wurde, sei heute nicht mehr so selbstverständlich verfügbar; es wird auch zunehmend mehr.Ilse Zöchmann von der „Aktion Leben“ übernimmt die Geschäftsführung von „Zoe“, das mit drei Beraterinnen und einem Berater die Arbeit in sehr wohnlicher Umgebung aufnimmt.
Die drei zusammen
„Menschlichkeit und Kompetenz“ bringen die Barmherzigen Schwestern ein, die großzügig für die Räume gesorgt haben. Die Aktion Leben will gemäß ihrem Wahlspruch „In Harmonie mit dem Leben“ die beratung organisieren und die Ehe- und Familienberatung betont „Beratung ermöglicht Veränderung“. Sich so gegenseitig ergänzend und stützend sollte gelingen, was sich Ilse Zöchmann für das kommende Jahr erwartet: Einen hohen Bekanntsheitsgrad zu erreichen, dass viele wissen, unter Telefonnummer 77 83 00 gibt es einfühlende Beratung und Begleitung für schwangere Frauen. Auch sollten sich verschiedene Gruppen gebildet haben – Selbsthilfegruppen für Eltern, die den frühen Tod eines Kindes beklagen, Gruppen für kinderlose Paare usw.
Stichwort:
Vor der Geburt Bei einer Schwangerschaft sind im Rahmen des Mutter-Kind-Passes folgende kostenlose Untersuchungen vorgesehen: Eine Untersuchung bis Ende der 16. Schwangerschaftswoche einschließlich Blutuntersuchung Eine Untersuchung zwischen der 17. und 20. Schwangerschaftswoche einschließlich einer internen Untersuchung Eine Untersuchung zwischen der 25. und 28. Schwangerschaftswoche einschließlich einer Blutuntersuchung Eine Untersuchung zwischen der 30. und 34. Schwangerschaftswoche Eine Untersuchung zwischen der 35. und 38. Schwangerschaftswoche.
Behindert? 3 bis 4 Prozent aller Neugeborenen kommen mit einer Behinderung zur Welt. 1,5 Prozent davon sind genetisch bedingt. Etwa 25 bis 30 Prozent der angeborenen Behinderungen können vorgeburtlich erkannt werden. Die meisten Störungen sind auf Geburtsschäden, Frühgeburtlichkeit oder Krankheiten der Mutter zurückzuführen.