Der erste Kraftakt ist gelungen. Alle 19 Dekanate der Diözese Innsbruck haben in den letzten Jahren Pastoral- und Personalpläne ausgearbeitet – Weichenstellungen für die Zukunft der Seelsorge.
Beim Innsbrucker Diözesanforum (1993 bis 1995) spielte die Frage, wie bei den geänderten religiösen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und angesichts des wachsenden Priestermangels die Seelsorge und das Leben in den Pfarrgemeinden in Zukunft aussehen wird, eine zentrale Rolle. Die Entscheidung der Synode, die pastorale Planung aus den Bedürfnissen der Betroffenen zu entwickeln, löste einen für Österreich einmaligen Prozess aus. In allen 19 Dekanaten wurden in den letzten fünf Jahren regionale Pastoral- und Personalpläne erarbeitet. Jeweils vier bis fünf Dekanate berieten ein Jahr lang über die Leitlinien der Seelsorge in ihrer Region und über deren konkrete Umsetzung. Ein/e Moderator/in begleitete die Dekanate dabei. Die Diözese versprach, sich an die von der Basis erarbeiteten Pastoralpläne zu halten. Dort, wo nach Meinung der diözesanen Arbeitsgruppe die Dekanatspläne in wichtigen Bereichen „weiße Flecken“ aufweisen, werden Gespräche über mögliche Ergänzungen aufgenommen, betont Franz Heidegger vom Seelsorgeamt.
Ein spannender Prozess
„Es war eine ungemein intensive und spannende Arbeit“, blickt die Theologin Elisabeth Rathgeb, Mitglied der diözesanen Arbeitsgruppe und Dekanatsbegleiterin, zurück. Sie ist überzeugt, dass eines der Hauptziele des Projektes in den meisten Dekanaten erreicht wurde: eine bis in die Pfarren hineingehende Bewusstseinsbildung darüber, wie die Seelsorge in Zukunft ausschauen soll und wie sie konkret vor Ort gestaltet werden kann. „Das Einbinden in die Mitverantwortung hat dazu geführt, dass die Pfarren erkannt haben, dass sie näher zusammenrücken und die Ausbildung ehrenamtlicher Mitarbeiter intensivieren müssen, um auch bei sinkenden Priesterzahlen als lebendige Gemeinden bestehen zu können.“In jedem Dekanat wurde in drei Arbeitsschritten gearbeitet. Jeder Schritt wurde vom Dekanatsteam (Dekanatsrat) „vorgeübt“. Darauf folgten die Diskussionen in den Pfarren. Deren Ergebnisse wurden auf Dekanatsebene erneut beraten und in einer Prioritätenliste zusammengefasst. „Im ersten Schritt ging es immer um die Visionen: Was bedeutet für uns Seelsorge, wovon lassen wir uns leiten, welche Schwerpunkte setzen wir für die Zukunft. Das waren oft sehr dichte theologische Gespräche zu den Grundfunktionen einer christlichen Gemeinde: Liturgie, Diakonie (Caritas), Verkündigung und Gemeinschaft“, erinnert sich Elisabeth Rathgeb. „Im nächsten Schritt ging es um die Festlegung der Grundausstattung für die Seelsorge. Von der Diözese gab es dazu als Vorgabe die bis 2005 zu erwartenden Priesterzahlen im Dekanat und ein Dekanatsbudget. Wie diese Ressourcen eingesetzt werden sollen – für Personal, für Bildungsmaßnahmen etc. – musste vom Dekanat festgelegt werden.“ In dieser Phase gab es mitunter erhebliche Spannungen, weil Dekanate, die bisher überproportional viel hauptamliche Laienmitarbeiter hatten, zugunsten anderer Dekanate verzichten mussten“, berichtet Rathgeb. Im letzte Schritt ging es um die Umsetzung der Pastoral- und Personalpläne, etwa darum, welche Pfarren wo und wie zusammenarbeiten.
Ergebnisse der Regionalen Pastoral- und Personalplanung der Diözese Innsbruck:
Erhaltung der Pfarrgemeinden und ihrer Eigenständigkeit. Wunsch nach Priester am Ort bzw. nach persönlicher Leitung (Pfarrkurator). Zusammenarbeit in Pfarrverbänden. Förderung der Mitarbeiter durch Aus- und Weiterbildung und spirituelle Begleitung. Seelsorgliche Schwerpunkte: Sicherung der Gottesdienste (Eucharistie am Sonntag, Wort- gottesdienste). Wichtig, dass sich Gemeinde am Ort versammelt (kein Messtourismus). Prioritäten in der Verkündigung: Kinder- und Jugend-, Ehe- und Familienpastoral, spirituelle Angebote. Diakonie: wird vielfach gemacht, in den Plänen aber lückenhaft. Personal: Vorrang Pfarrseelsorge; im Dekanat: Jugendleiter und Dekanatsassistenen.
Regionale Pastoral- und Personalplanung
Das Projekt einer Regionalen Pastoral- und Pastoralsonalplanung wurde vom Diözesanforum Innsbruck (1993 bis 1995) beschlossen. Die Motive dafür waren die veränderte gesellschaftliche und kirchliche Situation, der wachsende Priestermangel (1995 waren 214 Priester in der Pfarrseelsorge, 2005 voraussichtlich 160), die wachsende Bedeutung der Mitarbeit haupt- und ehrenamtlicher Laien in der Kirche (neues Klerus-Laien-Verhältnis), finanzielle Eigenverantwortung. Die Dekanate bekommen die bisher für Laienmitarbeiter in den Pfarren von der Diözese aufgewendeten Mittel in Eigenverantwortung übergeben. Dadurch mehr Flexibilität und mehr Gerechtigkeit zwischen den Dekanaten (Ausgleichsfonds für Härten). Ziel des Projektes: ein von der Bais erarbeiteter, diözesan abgestimmter Pastoral-und Personalplan. Arbeitsschritte: Leitlinien (gemeinsames Grundverständnis) der Seelsorge; Festlegung der Grundausstattung; Wege der Umsetzung (Zusammenarbeit der Pfarren, gemeinsame Bildungsangebote, zusätzliche Mittealaufbringung …) Weiterarbeit. Begleitung der Dekanate; Erstellung einer diözesanen Pastoral-Personal- und Finanzplanung (bis 2001) Leitwort: Suchet zuerst das Reich Gottes.