Pfingsten – das ist Bewegung und Aufbruch. So entstand Kirche. Bewegung und Aufbruch geschah auch im Dekanat Lienz bei der Suche nach einer zukunftsfähigen Kirche.
Rechtzeitig die Weichen für eine zukunftsfähige Seelsorge stellen – das war das Anliegen des Projektes „Regionale Pastoral- und Personalplanung“ der Diözese Innsbruck. Das Dekanat Lienz in Osttirol war eines der ersten, das diesen Prozess 1995 in Angriff nahm. Die Ausgangslage, dass in zehn Jahren nur mehr die Hälfte der 22 Pfarren einen Priester am Ort haben werden, sah eher nach einer Notoperation aus. „Und am Anfang“, so Dekan Peter Ferner, „haben auch manche Pfarren nicht geglaubt, dass es schon so ernst ist. Inzwischen aber sind wohl alle überzeugt, dass es in Zukunft nur dann lebendige Christengemeinden geben wird, wenn uns klar ist, wie wir – mit dem Blick über den Pfarrzaun hinaus – in gemeinsamer Verantwortung von Priestern und Laien die Seelsorge gestalten wollen. Auf dem Weg des gemeinsamen Suchens“, so Peter Ferner, „haben wir sehr stark gespürt, was das Konzil mit Kirche als ,Volk Gottes unterwegs‘ gemeint hat. Es war eine sehr bereichernde Erfahrung, die unser Dekanat nachhaltig geprägt hat. Bei uns geschieht alles in gemeinsam beschlossenen Schritten. Alles andere wäre undenkbar.“
Drehscheibe Pfarre
Seit dem gemeinsamen Planungsprozess sei das Dekanatsbewusstsein stark gewachsen, meint Ferner. „Auf der anderen Seite aber mussten wir mit einer Deutlichkeit, mit der ich nicht gerechnet habe, zur Kenntnis nehmen, dass für die Menschen die gewachsene Pfarre die entscheidende Drehscheibe ihres christlichen Lebens ist. Für uns war damit klar, das Dorf und die Pfarre sind der theologische Ort, auf den sich unser Denken und Planen konzentrieren muss, nicht die Region, das Tal oder das Dekanat.“
Schwerpunkt Bildung
Aus dieser Erkenntnis wurden die Planungen im Dekanat Lienz sehr bewusst auf die Bedürfnisse der Pfarren abgestimmt. „Wir haben vereinbart, dass jede Pfarre am Sonntag wenigstens eine Eucharsitiefeier hat und dass die Feste des Kirchenjahres und des Lebens jeweils in den Pfarren gefeiert werden. Wir haben konkret ausgemacht, welche Pfarren einen Aus-Hilfsverbund bilden. Gleichzeitig haben wir ein intensiven Aus- und Fortbildungsprogramm für Laiernmitarbeiter/innen (Wortgottesdienstleiter, ehrenamtliche Pfarrassistenten etc.) gestartet. Inzwischen gibt es auch da und dort schon eine pfarrübergreifende Begleitung von Leitern/innen von Firm- und Erstkommuniongruppen. Als Renner erweisen sich auch die regelmäßigen Stammtische unseres Dekanatsassistenten für ehrenamtliche Pfarrmitarbeiter“, berichtet Pater Ferner. Zwei Drittel des Dekanatsbudgets für Pastoral und (Laien)Personal (1,7 Millionen) werden in Lienz für Aus- und Weiterbildung von Pfarrmitarbeitern ausgegeben. In den letzten Jahren wurde – als Ergänzung zum ursprünglichen Pastoralplan – die Aus- und Fortbildung im sozialen und diakonalen Bereich (Hospizbewegung, Pfarrcaritas …) verstärkt.