- Kirchenzeitung der Diözese Linz, Stefan Schlager
Was Menschen zustande bringen, ist beachtlich. Für viele aber zählen nur die Erfolge, das Scheitern hat in der perfekten Welt keinen Platz.
Am 1. Jänner 2001 beginnen wir ein neues Jahrhundert, ja sogar Jahrtausend! Diese besondere „Zeitenwende“ veranlasst(e) viele, sich mit dem Thema „Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft“ zu beschäftigen und dabei zu entdecken, wozu Menschen in der Lage sind: positiv wie negativ. Denken wir etwa nur an die technischen Leistungen, die wohl am meisten unser Jahrhundert geprägt haben. Wie sehr hat die Technik den Bereich der Arbeit, den Haushalt, die Medizin etc. verändert – zum großen Vorteil vieler Menschen. Gentechnik und Informationstechnik haben in kürzester Zeit atemberaubende und hoffnungsvolle Ergebnisse erreicht.
Erfahrung von Grenzen
Andererseits können menschliche Leistungen auch entgleisen. Die Kriege des 20. Jahrhunderts, bei denen technische Innovationen eine entscheidende Rolle gespielt haben, sind dafür ein trauriges Beispiel. Wie brutal Technik missbraucht werden kann, zeigen – erschütternd – die Vernichtungslager der Nazis oder der Abwurf der ersten Atombomben. Unsere heutige Zeit ist trotz der vielen Spitzenleistungen durch die Erfahrung von Grenzen geprägt. So sind Menschen oft nicht in der Lage, die Folgen des eigenen Tuns umfassend ein- und abschätzen zu können (etwa in bestimmten Bereichen der Biotechnik). Ja, es gibt sogar Situationen, in denen wir uns als Getriebene unserer eigenen Hervorbringungen erleben (globale Wirtschaft, Handy). Aber nicht nur die technischen Errungenschaften prägen unsere Zeit – es sind genauso die ganz persönlichen „Hervorbringungen“. Was wir hier zu „bieten“ haben, ist beachtenswert: Wie viele pflegen etwa einen alten, kranken oder behinderten Mitmenschen – ganz im Stillen? Wie viele Menschen investieren ihre Kräfte und ihre Liebe in die Erziehung von Kindern? Wie viele teilen mit denen, denen es nicht gut geht? Wie viele leben gut zusammen, sind angenehme Zeitgenossen? Wie viele lassen nach Enttäuschungen den Kopf nicht hängen, lernen aus ihren Fehlern oder setzen sich für Wichtiges ein – all das sind „Leistungen“, die nicht selbstverständlich sind! Neben all dem Guten haben wir aber auch Misserfolge, Grenzen, Schuld, Schwäche zu „bieten“: Wer kennt nicht Schwierigkeiten im Miteinander, das Scheitern bei einer Aufgabe, gegenseitige Überforderung, mangelnde Geduld, Intoleranz, Vorurteile, Egoismus, Lieblosigkeit …
Gott nimmt beides an
In einer Gesellschaft, die sich stark von Leistung und Erfolg her versteht, besteht die Gefahr, diese „Schwäche“ zu verschweigen, zu verdecken. Zum Leben aber gehören nun einmal beide Seiten: das Gelingen wie das Scheitern, Kleinheit und Größe. Wie überfordernd ist es, wenn Menschen nur perfekt sein müssen, sich keinen Fehler leisten dürfen! Wenn Christen Brot und Wein darbringen, bringen sie in diesen Gaben auch sich selbst dar: ungeschminkt und ehrlich. In Brot und Wein bringen sie ihr persönliches Können und Nicht-Können vor Gott, ebenso ihre „Errungenschaften“ samt den Grenzen (das ist „das Werk unserer Hände“). Die Gabenbereitung macht anschaulich: Gott nimmt beides aus unseren Händen. Er hat keine Berührungsängste vor „unfertigen“, „unperfekten“ Menschen! Müsste uns das nicht auch verständnisvoller, großzügiger und gelassener machen – uns selbst und den Mitmenschen gegenüber?
Bedenk-Text
Wider die EinseitigkeitGedanken zur Gaben-bereitung
Perfekt überaus effizient fehlerfrei makellos
Kriterien für Erfolg – ohne Zweifel! Kriterien für Glück?
Nur perfekt – überfordert nur Stärke – ermüdet nur makellos – macht glatt nur fehlerfrei – lähmt.
Wie gut, dass wir unsere Schwächen nicht verschweigen brauchen! Er nimmt beides.