Fünf Jahre nach dem Kirchenvolksbegehren: Ernüchternde Bilanz
Ausgabe: 2000/24, Kirchenvolksbegehren,
13.06.2000
- Matthäus Fellinger
Zu Pfingsten 1995 startete das Kirchenvolksbegehren. Es sorgte für Ermutigungen und Irritationen und erreichte europäische Tragweite. Was ist daraus geworden?
Die Plattform „Wir sind Kirche“ organisierte vor fünf Jahren das Kirchenvolksbegehren. Ihr Sprecher für Oberösterreich, Mag. Anton Achleitner, zieht fünf Jahre danach eine ernüchternde Bilanz: „Eigentlich sind auch im Ansatz unsere damaligen Punkte nicht gelöst“, meint er. Geschwister-liche Kirche, Mitentscheidung bei Bischofsernennungen, volle Gleichberechtigung der Frau in der Kirche, freie Wahl der Lebensform für Priester, positive Bewertung der Sexualität sowie „Frohbotschaft statt Drohbotschaft“ – diese Anliegen fanden damals 500.000 Unterschriften in Österreich. Auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft katholischer Journa-listen diskutierte Achleitner zusammen mit KA-Präsidentin Margit Hauft und Bischofsvikar Willi Vieböck die Frage, was daraus geworden ist. Dass die Anliegen des Kirchenvolksbegehrens berechtigt sind, wurde deutlich. Margit Hauft fand lobende Worte etwa über den „Frauenherdenbrief“ der Plattform „Wir sind Kirche“. Den „mangelnden Veränderungswillen“ beklagt auch sie. Dass Menschen der Kirche deshalb zunehmend gleichgültig begegnen, sieht auch Willi Vieböck als die größte Gefahr. Festgehalten wurde, dass sich auch die Plattform nicht außerhalb der Kirche als „Parallelkirche“ versteht, sondern dass die Menschen innerhalb der Kirche auf Veränderung hinarbeiten wollen. Einiges gebe es, was ohne Volksbegehren nicht so schnell erreicht worden wäre: eine Frauenbeauftragte und eine Frauenkommission in der Diözese etwa. Ein gestärktes Selbstbewusstsein bei Laien steht auch manchen Enttäuschungen gegenüber. Aber der einmal ausgedrückte Senf läßt sich in die Tube nicht mehr zurückbringen, ist man bei der Plattorm ”Wir sind Kirche“ überzeugt.