Zum 25. Mal haben Pfadfinder und Pfadfinderinnen über Pfingsten ihre Zelte aufgeschlagen. Für Behinderte und Nichtbehinderte bedeutet das „Pfingst’l“ einen Höhepunkt. Die Organisatoren haben dafür einen Solidaritätspreis der Kirchenzeitung erhalten.
„Super ist es“, sind sich Carina Mayr und Astrid Zauner einig. Zum zweiten Mal sind die beiden Mädchen beim „Pfingst’l“ dabei. Anfangs, geben sie zu, bedeutete es schon eine Überwindung für sie, hatten sie doch noch nie mit Behinderten zu tun. Die Scheu war bald überwunden. „Man lernt sie von der inneren Seite kennen“, geben die beiden Schülerinnen eine erstaunliche Antwort.Wolfgang Luxbauer ist ein alter Profi. Er war schon beim ersten Pfingstlager für Behinderte und Nichtbehinderte der Pfadfinder/ innen dabei. Das ist immerhin 24 Jahre her. Fast jedes Jahr ist er seither mit von der Partie. Am Lagerplatz der Pfadfinder/innen bei der Toheibmühle in Haslach an der Mühl haben sie für drei Tage die Zelte aufgeschlagen. Rund 160 Leute sind es heuer. Drei Tage Begegnung, Spiel und Spaß in der Natur, einmal eine ganz andere Atmosphäre. Kinder und Erwachsene sind da, Behinderte und nicht Behinderte, Pfadfinder/innen und Nichtpfadfinder.Ein Team der oberösterreichischen Landesgruppe hat alles vorbereitet. Ehrenamtlich versteht sich. Die Studentin Birgit Röthler und der Jurist Christopher Schuster leiten das Lager. Die Fixpunkte sind vorbereitet – Essenszeiten, die Disco am Pfingstsonntag-Abend, die Fahrt, das ganze Rahmenprogramm. Die 160 Leute sind aufgeteilt in mehrere Familien. Zum Teil halten sich diese Familien über Jahre. Man hält Kontakt, schreibt Briefe, besucht einander, ehe es wieder auf Lager geht. Alles ist heuer auf die Geschichte des Janosch-Kinderbuches „Oh wie schön ist Panama“ abgestimmt. Da gab es am Nachmittag an der Mühl lustige Bewerbe. Alle Gruppen haben die abenteuerliche Reise nach Panama geschafft. Nicht Wettbewerb, sondern Spiel lautet die Devise.
Die „Ehemaligen“ helfen mit
Zwölf Mitglieder der „Gilde grün-gold Linz“ – ehemalige Pfadfinder/innen – haben das Festbuffet am Abend auf das Motto abgestimmt – mit exotischen Leckerbissen, die mir nichts dir nichts in den hungrigen Bäuchen gelandet sind. Die Ehemaligen unterstützen so die Jungen, damit diese sich ihrer Aufgabe widmen können. Am Abend ist Disco. Die bekannte Linzer Band „Hooch-Gang“ spielt auf – zu einem sehr günstigen Preis. Die Musiker kommen gerne. Eine Disco wie diese ist auch für sie etwas Besonderes. Ein großer Tank mit Hollundersaft wartet schon auf den Durst der Tänzer/innen – während Erwachsene schon das eine oder andere Bier in der Mühl eingekühlt haben. Auf den Tanz freuen sich alle. Jeder Vorbehalt ist dahin. Körperliche Gebrechen zählen da nicht. Die Phantasie hilft über Grenzen hinweg. Um Mitternacht ist Schluss. „Wir sind für Behindertenarbeit nicht speziell ausgebildet, wir haben nur die Ausbildung für Pfadfinder-Leiterinnen, erzählt Birgit Sedlmayer – für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Aber das Vertrauen der Leitung des Caritas-Heimes St.Pius ist groß, die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut. Nur vor einigen Jahren gab es einmal bange Stunden. Ein Mädchen ist in panischerAngst vor einem Gewitter in der Nacht in den Wald gelaufen, aber dann doch heil zurückgekehrt.„Die uns nicht kennen, unterstellen uns oft eine scheinmilitärischen Struktur, aber uns kommt es auf ganz anderes an – ein sinnvolles Angebot für die Jugend“, erzählt Birgit Sedlmayer.