Familienhelferinnen plaudern aus der Schule des familiären Allltags
Ausgabe: 2000/24, Familienhelferinnen
13.06.2000
- Maria Haunschmidt
Jährlich werden österreichweit von 230 Familienhelferinnen der Caritas Einsätze in ca. 4500 Familien geleistet und ca. 15.000 Kinder betreut. Bei einer Fortbildungswoche zogen die Caritas-Familienhelferinnen Bilanz über ihre Erfahrungen in Familien.
Positiv fiel die veränderte Haltung vieler Väter auf, die eine aktive Rolle in der Familie übernehmen, z. B. das Baby nachts versorgen, Essen zubereiten, und der höhere Stellenwert der Kinder an sich. Auch bewusst gesetzte Kommunikationsformen, wie einen Familienrat mit Besprechung und Aufgabenverteilung, nehmen zu. Mütter lernen besser abzugeben und loszulassen. Neben Einsätzen in durchaus intakten Familien erleben die Familienhelferinnen immer mehr Problemsituationen, die zu denken geben. Das soziale Netz der einzelnen Familien ist nicht zuletzt durch Berufstätigkeit und Berufsmobilität schwächer geworden. Auch auf Grund der Kleinwohnungen haben Kinder oft kaum familiären Kontakt mit anderen Generationen. Für junge Familien ist es schwierig, mit der gekürzten Karenzzeit zurechtzukommen und es stellt ein Problem dar, ein eineinhalbjähriges Kind außerhalb der Familie tagsüber versorgen zu lassen.
Manches wäre zu verändern
Die materielle Lage von Familien, in denen Familienhelferinnen eingesetzt werden, ist oft katastrophal. Das Geld einzuteilen fällt schwer. Es gibt manchmal drei Fernseher, ein Handy, aber nichts Ordentliches zu essen. Viele Kinder wachsen zunehmend einsam und isoliert auf. Die Zahl der Schlüsselkinder nimmt zu. Ein weiteres Phänomen: eine Überfülle an Spielsachen, aber kurze Verweildauer beim Spielen. Es werden immer weniger die Gesellschaftsspiele gepflegt, einsame Beschäftigung geht vor gemeinsame Unterhaltung. Die Kinder leiden einerseits unter Freizeitstreß, andererseits wird viel freie Zeit vor dem TV oder Computer verbracht. Langgediente Familienhelferinnen stellen auch einen Rückgang der Selbstständigkeit und Kreativität sowie der Bewegung im Freien fest. Das Verhalten vieler Kinder wird zunehmend als aggressiv, gestresst, fordernd und grenzenlos wahrgenommen.