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Warum tut sich Kirche mit Frauen so schwer?

Projektgruppe „Frauen in Kirche und Gesellschaft“ stellt Tätigkeit ein
Ausgabe: 2000/25, Frauen, Projektgruppe, Frauenkommission,
20.06.2000
- Hans Baumgartner
„Die Frauen haben sich verändert, die Kirche hat es nicht bemerkt oder will es nicht wahrhaben.“ Diesen Befund einer deutschen Studie zitierte Ingrid Klein bei der Abschlusstagung der Dialog-Arbeits- gruppe „Frauen in Kirche und Gesellschaft“.

Drei Voten hat die Salzburger Dialogversammlung zum Thema „Frauen in der Kirche“ verabschiedet. Dabei sprachen sich die Delegierten für
die Einführung des Diakonats für Frauen,
die Errichtung von Frauenkommissionen in den Diözesen und auf Österreichebene sowie für
die Anerkennung der vielfältigen Berufungen und Lebenswege von Frauen (Überwindung einseitiger Rollenfixierungen) aus.

Arbeitsgruppe aufgelöst



Eine von der Bischofskonferenz eingesetzte Arbeitsgruppe unter der Leitung von Bischof Egon Kapellari und Margit Hauft, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs und der Frauenkommission der Diözese Linz, hat in mehreren Arbeitssitzungen über Schritte zur Umsetzung der Voten beraten. Da sowohl in der Frage des Frauendiakonats als auch bei der Errichtung einer österreichischen Frauenkommission in absehbarer Zeit mit keinen Fortschritten zu rechnen ist, hat die Arbeitsgruppe ihrer Tätigkeit eingestellt. Auf die Habenseite des Dialogs bucht Margit Hauft, dass es in allen Diözesen mit Ausnahme von Wien, St. Pölten und Klagenfurt Frauenkommissionen gibt – „auch wenn sie nicht überall mit der Kompetenz ausgestattet sind, die wir uns wünschen“. Die durch die Dialog-Arbeitsgruppe begonnene Vernetzung der Frauenkommissionen untereinander will in Hinkunft die Katholische Frauenbewegung wahrnehmen. Bischof Kapellari meinte zur Auflösung der Arbeitsgruppe Frauen, dass er „kein Freund taktischer Spiele“ sei. „Man soll sagen, wenn man ansteht und keine falschen Hoffnungen wecken.“ Er, so Kapellari, habe sich sehr eingesetzt, dass es wenigstens ein jährliches Treffen zwischen diözesanen Frauenverantwortlichen und mehreren Bischöfen gibt.

Die Kirche hinkt nach



Der letzte Akt der Dialog-Arbeitsgruppe Frauen war ein Studientag am Samstag vergangener Woche. Dabei ging es um das Geschlechterverhältnis in Kirche und Gesellschaft, um Zeugnisse von Frauenleben und darum, wie verschiedene Funktionsträger/innen Frausein in der Kirche wahrnehmen. Die langjährige Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs, Ingrid Klein, verwies dabei auf eine Studie der Deutschen Bischofskonferenz. Das Ergebnis: Die Frauen haben sich verändert, die Kirche hat es nicht bemerkt oder will es nicht zur Kenntnis nehmen. Ein Befund, der bei der Tagung von der wissenschaftlichen Analyse ebenso bestätigt wurde wie von vielen Frauen: „Wir wollen, dass die Kirche unsere unterschiedlichen Lebenssituationen und unsere Fähigkeiten ernst nimmt.“

„Ich sehe ein großes Problem darin, dass die Kirche hinter den gesellschaftlichen Entwicklungen der Moderne so weit nachhinkt“, meint Ingrid Klein. In der Frage der Menschenrechte und Demokratie habe sich die Kirche inzwischen korrigiert, was die Emanzipationsbewegung der Frauen angeht, stehe die positive Wende noch aus. Oder wie es die ehemalige Bundesvorsitzende der Jungschar, Birgit Dissertori, ausdrückte: „In der Jungschar tun wir sehr viel, um die Mädchen zu eigenständigen, selbstbewussten Persönlichkeiten zu erziehen. Wenn sie als Frauen das in der Kirche leben wollen, stoßen sie sehr schnell an Grenzen und Unverständnis und müssen sich in Nischen zurückziehen.“ Der Linzer Pastoralamtsleiter Willi Vieböck bedauerte, dass beim Frauendiakonat offenbar nichts weitergehe und lud die Frauen ein, dennoch unverzagt Schritt für Schritt voranzugehen.




Wörtlich




Maria K. Moser, Wien.
Als Kind war ich sehr religiös und bin oft zur Messe gegangen. Zur „Feministin“ wurde ich mit acht Jahren, als ich nicht Ministrantin werden durfte. In der Jungschar und Jugend habe ich Kirche sehr positiv erfahren, auch als Frau. Im Kontakt mit feministischen Theologinnen lernte ich Frauen kennen, die ihr Leben und Christsein selbst in die Hand nehmen und nicht mehr lange (nach)fragen.

Frauenleben
Gabriele Kiesenhofer, Neufelden. Ich bin als Vollhausfrau für viele wohl ein gesellschaftliches Auslaufmodell und eine kirchliche Musterfrau. Ich empfinde mich aber nicht so und will auch keine vorgegebene Rolle erfüllen. In der Kirche habe ich erlebt, dass man viel manchen kann, wenn man Dinge selbstbewusst anpackt (Müttertreff, Kinderliturgie u. a.) Ich hoffe, dass immer mehr Frauen wach werden und in der Kirche ihre Kraft und Spiritualität zur Geltung bringen.
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