- Kirchenzeitung der Diözese Linz, Stefan Schlager
Unsere Zeit ist geprägt von raschen Veränderungen. Top ist, wer sich selber entsprechend schnell wandeln kann. Eine Gabe, die Christen in besonderer Weise vorleben könnten.
Linz – Ars Electronica Center: Wer ein Museum der ganz anderen Art erleben will, wird in Linz fündig. Hier gibt es ein „Museum der Zukunft“. In diesem Museum geht es nicht um das Vergangene, sondern um jene Entwicklungen, die in nächster Zeit herausfordern werden. Ein Ziel dabei ist es, den Besuchern auf spielerische Art und Weise jene technologische und kommunikative „Fitness“ zu vermitteln, die sie im Umgang mit den neuen digitalen Medien benötigen. Ein Merkmal unserer Zeit – das macht das Ars Electronica Center besonders deutlich – ist Entwicklung, Fortschritt, Wandlung. Je besser und verantwortungsvoller Menschen sich darauf einstellen können, desto eher werden sie in der Lage sein, diesen Veränderungen sinnvoll zu begegnen. Wie gut ist es, wenn es Institutionen gibt, die darauf mit Weitblick vorbereiten!
Mit Leben füllen
Wandlung, Veränderung – damit hat auch Kirche zu tun. Wenn Christen „Eucharistie“ feiern, steht „Wandlung“ im Zentrum: So wie Brot und Wein eine neue Bestimmung bekommen, soll auch der Mensch, sein Tun, seine Geschichte, seine Welt eine neue Bestimmung bekommen – und dementsprechend verwandelt werden. Die „Wandlung“ ist daher nicht als ein isolierter Kultakt in einer geschützten Gruppe zu verstehen – weltfern, weltfremd, mirakulös. Nein, die „Wandlung“, die mit Jesus zusammenhängt, ermutigt vielmehr zum Aufbrechen und zur Veränderung: vom Gegeneinander zum Miteinander, vom engen Blick zum weiten Blick, vom Nutznießer zum Nutzteiler, vom Verantwortungsscheuen zum Verantwortungsbewussten, vom Enttäuschten zum Hoffenden. Könnte man mit diesen „Wandlungen“ nicht auch den Veränderungen heute kraftvoll, sinnvoll, geistvoll begegnen? All diese „Wandlungen“ aber beginnen – wie die Wandlung von Brot und Wein zeigt – beim Kleinen. Vielleicht kann man von einer „Wandlung in konzentrischen Kreisen“ sprechen. Jesus wandelt Brot und Wein, er setzt diese Lebensmittel zu sich in Beziehung und gibt ihnen so einen neuen Sinn, einen neuen „Inhalt“: Das bin ich – mit meiner Kraft, meiner Zuwendung, meinem Wohlwollen, meinem Leben … Wer sich von diesem Jesus angesprochen fühlt und sich ihm öffnet, der öffnet, weitet, wandelt damit auch sein Herz, sein Denken, seine Wahrnehmung, sein Tun – Schritt für Schritt, immer wieder aufs Neue, trotz Rückschritte. Wer bereit ist, sich selbst zu verändern und zu wandeln – allmählich, ein Leben lang – der wird ermutigt, auch seine Umgebung zu „verwandeln“, sie – wo es nötig ist – menschlicher, weiter, gerechter zu machen. Es ist zu wünschen, dass diese „Wandlung“ auch vor der Kirche selbst nicht Halt macht – darin läge eine große Chance!
Mensch werden
Wenn Christen Eucharistie feiern, lassen sie sich in die Dynamik der Wandlung mit hinein nehmen. Diese „Wandlung“ aber entfremdet die Menschen nicht. Sie ermöglicht vielmehr ein eigenes, authentisches Leben, das nicht still steht und erstarrt ist, sondern offen ist für Neues, für Entwicklung und Entfaltung. Wandlung mutet uns zu, mehr Mensch zu werden – selbst und für andere.
Bedenk-Text
Meine engen Grenzen Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht, bringe ich vor dich. – Wandle sie in Weite. Herr erbarme dich.
Meine ganze Ohnmacht, was mich beugt und lähmt, bringe ich vor dich. – Wandle sie in Stärke. Herr erbarme dich.
Mein verlornes Zutraun, meine Ängstlichkeit, bring ich vor dich. – Wandle sie in Wärme. Herr erbarme dich.
Meine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit bringe ich vor dich. – Wandle sie in Heimat. Herr erbarme dich.