Es gibt so viele tolle und anspruchsvolle Spiele; warum also fernsehen?
Ausgabe: 2000/25, Spiele
20.06.2000
- Ernst Gansinger
Könige, Maharadschas, Herzöge, Goldene Tempel, versunkene Reiche, Entdecker – im Spielzimmer wird Geschichte lebendig!
Die Gefahr, bei neuen Spielen im Fachhandel nur guter Verpackung aufzusitzen, ist relativ gering; es gibt viele schöne, gute, reizvolle Spiele. Ein paar davon – für zwei Taktiker oder Familien mit Kindern ab etwa zehn Jahren – stellen wir hier vor:
Schönes Material
Wunderschön ist das Spiel „Siesta“ von Goldsieber: Das Spielbrett mit den 12 x 12 Feldern im Quadrat und den etwa 160 unterschiedlichen Steinen, die Sonnen, Dächer und Schatten darstellen – alles ist aus Holz. Zwei bis vier Spieler können damit ein reizvolles Taktik-Spiel entwickeln, bei dem es darum geht, die Sonne über den Dächern so zu platzieren, dass sie Schatten werfen, je länger diese sind, desto besser.
Für zwei Spieler/innen
Auch „Quarto Classic“ von Gigamic spricht ähnliche Spieler an: schönes Spielzubehör aus Holz; Taktikspiel für zwei Spieler, 16 Steine, die verschiedene Merkmalszusammensetzungen haben – hell oder dunkel sind, groß oder klein, rund oder kantig, mit oder ohne Loch. – Abwechselnd wählen die Spieler einen Stein aus, den der andere setzen muss. Jeder versucht, möglichst schnell vier Steine mit gleichen Merkmalen in eine Reihe zu bringen.Nicht Holz, sondern einfache, formschöne Kugeln und Plastikringe sind neben dem Spielplan das Spielmaterial bei „Zertz“ aus dem Projekt „Gipf“ von Schmidt. Zertz ist in die Auswahlliste zum Spiel des Jahres 2000 aufgenommen worden. In den USA hat Zertz schon eine Auszeichnung – den „Mensa-Award“. „Rosenkönig“ von Kosmos ist ebenfalls ein Zweierspiel, bei dem zwei englische Adelsgeschlechter um die Vorherrschaft wetteifern und ihre Macht Stein für Stein am Spielfeld vergrößern. Auch „Torres“ von FX ist ein Strategiespiel. Die Königssöhne sollen dem König die größten Burgen bauen. Zug um Zug lassen die Spieler die Burgen wachsen. Dabei errechnet sich der Wert einer Burg aus der Felderzahl mal der Höhe der Burg ... Auch „Torres“ kann heuer „Spiel des Jahres“ werden.
Phantastische Geschichte
Geschichte und Geographie (die Spielfelder sind meist Landkarten, die Situationen Jahrhunderte vor unserer Zeit nachstellen, oder Phantasie-Gebietskarten) sind die Zutaten einer anderen Art von Spielen. Sie entführen in eine versunkene Welt. Doch auch für sie braucht es einen Schuss Taktik, genauso aber fordern sie den Schelm im Spieler heraus. Allen ist gemeinsam, dass sie eine etwas längere Spielanleitung haben. Es ist also ratsam, sich vor dem ersten Spiel Zeit zum Lesen der Anleitung zu nehmen! „Eschnapur“ von Schmidt-Spiele wählt beispielswiese die geheimnisvolle Sage um das untergegangene Reich von Eschnapur im fernen Indien als Spielgeschichte. Drei bis fünf Spieler versuchen, als Archäologen taktisch und mit Verhandlungsgeschick die meisten Schätze freizulegen.Auch das Ravensburger-Spiel „Tadsch Mahal“ (alea) führt in den indischen Subkontinent, Anfang des 18. Jahrhunderts. Die drei bis fünf spielenden Maharadschas kämpfen (um was wohl!) – um Einfluss. Beim Parker-Spiel „Rheinländer“ schlüpfen die Spieler in die Rolle von Herzögen, die sich im Mittelalter entlang des Rheins breit machen. „Entdecker“ wiederum verwandelt die 2 bis 4 Spieler in Seefahrer, die sich in unbekannten Gewässern auf die Suche nach neuem Land machen.
Siesta, Autor Guido Hoffmann, Verlag Goldsieber, ca. Preis: S 400,–, 2–4 Spieler, Spieldauer etwa 60 Minuten. Quarto Classic, Gigamic, S 450,–, 2 Spieler, 30 Minuten. Zertz, Kris Burm, Schmidt-Spiel, S 250,–, 2 Spieler, 15 Minuten. Rosenkönig, Dirk Henn, Kosmos, S 210,–, 2 Spieler, 45 Minuten. Torres, W. Kramer/M. Kiesling, FX, 2-4 Spieler, 60 Minuten. Eschnapur, Reinhard Staupe, Schmidt-Spiele, S 400,–, 3–5 Spieler, 75 Minuten. Tadsch Mahal, Reiner Knizia, alea/Ravensburger, S 400,–, 3–5 Spieler, 2 Std. Rheinländer, Reiner Knizia, Parker, S 380,–, 3–4 Spieler, 100 Minuten. Entdecker, Klaus Teuber, Goldsieber, S 380,–, 2–4 Spieler, 40 Minuten.