Sie hat eine Funktion inne, die auch bei uns selten ist: Silveira Passos Crisostomo ist Bürgermeisterin von Cotegipe, einer Kleinstadt in Bahia (Brasilien). Ihre wichtigsten politischen Anliegen bei Amtsantritt waren: den Ausbildungsstatus der Lehrer zu erhöhen (was ihr bis jetzt nicht gelungen ist), die Gesundheitsversorgung zu verbessern und die Familienplanung zu fördern. Früher war es noch üblich, Frauen bei der Geburt Valium zu verabreichen, was für die Kinder fatale Folgen hatte.Jetzt gibt es in Cotegipe ein kleines Spital mit einem Gynäkologen. Weiters konnte mit Hilfe der Familienplanung die Ernährung werdender Mütter verbessert und die Kindersterblichkeit gesenkt werden. Zur Zeit werden 300 Frauen betreut.
Schulden verringern
Ein wichtiger Schritt für die Stadt Cotegipe war die Sanierung des Finanzhaushalts. Im Laufe der Jahre sei ein unglaublicher Schuldenberg gewachsen, Löhne und Steuern seien von ihren Vorgängern kaum bezahlt worden, berichtet Bürgermeisterin Crisostomo: „Das habe ich jetzt in Ordnung gebracht. Aber leider sehen die Leute das nicht.“Die staubigen Strassen zu asphaltieren wäre publikumswirksamer gewesen, weiß die Politikerin, die sich – wie alle Politiker/innen im Land – auch den Vorwurf der Unterschlagung von öffentlichen Geldern gefallen lassen muss. Bei den nächsten Wahlen rechnet sie daher nicht mehr mit ihrer Wiederwahl, auch ihre männlichen Parteikollegen wollen wieder einen Mann an der Spitze.Obwohl sie ihre begrenzten Möglichkeiten kennt, wird sie trotzdem ein zweites Mal kandidieren.