Information und Beratung verkleinert Handicap bei der Jobsuche
Ausgabe: 2000/26, We work, Caritas, Pilotprojekt
27.06.2000
- Ernst Gansinger
„Auch die Pfarren und kirchlichen Einrichtungen sollen mehr an uns denken, wenn sie jemanden anstellen wollen.“ – Das wünscht sich Mag. Augustine Scheibl, die Geschäftsführerin von We Work, einem Pilotprojekt der Caritas.
Auf dem offenen Arbeitsmarkt haben Menschen mit Behinderungen wenig Chancen, wenn sie sich für eine offene Stelle bewerben. Diese Erfahrungen machen viele Betroffene. We Work will hier gegensteuern und geht die Sache von der anderen Seite an. Mag. Scheibl erläutert das Konzept: „We Work ist eine kostenlose Personalvermittlung von Menschen mit Behinderung wie auch von psychosozial benachteiligten Menschen. Wir gehen aktiv auf die Betriebe zu und unterstützen diese kostenlos und kompetent, wenn sie eine Arbeitskraftsuchen. Denn We Work verfügt über einen Pool an qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, deren Stärken und Grenzen wir genau kennen.“ Es sind Mitarbeiter/innen, denen wegen verschiedener Handicaps sonst viele Tore am Arbeitsmarkt verschlossen bleiben.
Gleichwertig und loyal
Hört man „Behinderung“, sind viele Firmen schon skeptisch. Doch auf dem richtigen Arbeitsplatz und im richtigen Arbeitsumfeld eingesetzt, sind Menschen mit Beeinträchtigungen gleichwertige Mitarbeiter/innen mit einem besonderen Vorzug: Sie sind loyale Mitarbeiter/innen.We work kooperiert mit 15 Projekten in Oberösterreich, die Arbeitsassistenz bzw. Qualifizierungsmaßnahmen anbieten. Von diesen kommen Arbeitssuchende zum Personalvermittlungs-Projekt der Caritas. Von ihren Möglichkeiten, ihren Stärken und Grenzen macht sich ein/e Mitarbeiter/in der Caritas-Personalvermittlung im Gespräch ein genaues Bild. Dies ist wichtig, um gezielt deren Qualifikationen mit dem Bedarf der Firmen abgleichen zu können.
Gegen Ängste informieren
Die Firmen zu erkennen, die Menschen mit Beeinträchtigungen einzustellen bereit sind, wenn sie entsprechend informiert werden, ist neben dem laufenden Kontakt zu diesen Firmen die wichtigste Qualität der Caritas-Einrichtung. Bei den ersten Kontakten gilt es, die oft vorhandene Angst vor einer Einstellung von Personalchefs abzubauen. Information – also Gespräche, Gespräche, Gespräche – ist der wichtigste Hebel, etwas in Bewegung zu bringen. Mag. Augustine Scheibl versteht, dass manche Firmen Scheu haben, behinderte Menschen einzustellen. Großbetriebe, so ihre Erfahrung, „produzieren“ oft selbst Menschen mit Beeinträchtigungen und halten für sie die möglichen Arbeitsplätze frei. Auch haben einige von ihnen schon wenig motivierende Erfahrungen mit dem erhöhten Kündigungsschutz für behinderte Menschen. „Der erhöhte Kündigungsschutz ist oft ein Behinderungsgrund“, sagt sie. Viele Firmen nehmen deswegen keine behinderten Menschen auf, weil es mit wenigen schwarzen Schafen schlechte Erfahrungen gab. Der erhöhte Kündigungsschutz müsste zumindest erst nach längerer Betriebszugehörigkeit greifen, schlägt die Geschäftsführerin von We Work. Manche Menschen, die den Status eines begünstigten Behinderten in Anspruch nehmen könnten, verzichten darauf, um nicht gebrandmarkt zu sein. Sie fürchten Nachteile.
Offenheit ist notwendig
We work spricht klar die Beeinträchtigung/Behinderung der Menschen an, für die sie eine Arbeit sucht. Für die Unternehmen bietet die Personalvermittlung dieser besonderen Art viele Vorteile –auch professionelle und flexible Unterstützung bei der Personalauswahl.
Stichwort:
WE WORK
„We Work“ ist ein österreichisches Pilotprojekt der Caritas der Diözese Linz. Die Kosten werden von Land OÖ, Bundessozialamt und aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds getragen.„We Work“ versucht, Arbeitsplätze für Menschen mit Beeinträchtigungen zu werben. Diese werden an behinderte Menschen vermittelt, die Arbeit suchen. Dabei stehen die Mitarbeiter/innen von „We Work“ sowohl den Firmen wie auch den zu vermittelnden Menschen kostenlos mit ihrer Dienstleistung zur Seite. „We Work“ berät dabei die Unternehmen auch über Fördermöglichkeiten und rechtliche Voraussetzungen. Seit etwa 18 Monaten besteht „We Work“. Die Einrichtung verfügt nun über einen Pool von etwa hundert Bewerbern. Bei 300 Firmen konnten persönliche Termine mit den Personalverantwortlichen erreicht werden. Aus diesen Kontakten entstanden 40 Dienstverhältnisse.
We Work, Steingasse 25, 4020 Linz, Tel.: 0732/781820; E-Mail: we_work@caritas-linz.or.at