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Das Geheimnis von Fatima

Wortlaut und Erklärung von Kardinal Ratzinger
Ausgabe: 2000/26, Fatima
27.06.2000
- Kirchenzeitung der Diözese Linz

Drittes Geheimnis von Fatima: Aufruf zur Buße, nicht Zukunftsschau

Utl: Vatikan veröffentlicht vollständigen Text der Offenbarungen andie Seherkinder von Fatima und warnt vor Fehlinterpretationen -Ratzinger: Fatalistische Deutungen des "dritten Geheimnisses" gehen"völlig an der Sache vorbei" (Bericht und Dokumentation: kathpress)

Vatikanstadt, 26.6.00 (KAP) Der Vatikan hat am Montag das "dritteGeheimnis" von Fatima veröffentlicht und gleichzeitig vorFehlinterpretationen der Privatoffenbarung aus dem Jahr 1917 gewarnt.Das "dritte Geheimnis" berichte in einer Symbolsprache über dieVerfolgung der Kirche im 20. Jahrhundert und verweise auf einAttentat auf einen Papst. Der Präfekt der Glaubenskongregation,Kardinal Joseph Ratzinger, betont in einem Kommentar, dasSchlüsselwort des "dritten Geheimnisses" sei der dreimalige Aufrufzur Buße und nicht die Vorhersage eines unabänderlich ablaufendenzukünftigen Geschehens. Ziel der Botschaft sei die Umkehr zum Glaubenund die Hinführung zum Gebet als Weg zur "Rettung der Seelen".

Wörtlich schreibt Ratzinger: "Das Bild, das die Kinder sahen, istkein im Voraus aufgenommener Film des Künftigen, an dem nichts mehrgeändert werden könnte". Der Sinn der Vision sei, die "Kräfte derVeränderung zum Guten hin zu mobilisieren". Deswegen gingen"fatalistische Deutungen" des Geheimnisses völlig an der Sachevorbei, wenn zum Beispiel gesagt werde, der Attentäter vom 13. Mai1981 sei "nun einmal ein von der Vorsehung gelenktes Werkzeuggöttlichen Planens gewesen und habe daher gar nicht frei handelnkönnen, oder was sonst an ähnlichen Ideen umläuft".

Der Wortlaut des dreiteiligen "Geheimnisses" wurde zusammen mit demKommentar von Kardinal Ratzinger, einigen Dokumenten von SchwesterLucia und einer historischen Einführung von Erzbischof TarcisioBertone in einer 43-seitgen Publikation der vatikanischenGlaubenskongregation mit dem Titel "Die Botschaft von Fatima"veröffentlicht.

"Wir sahen ... einen in Weiß gekleideten Bischof. Wir hatten dieAhnung, dass es der Heilige Vater war", heißt es im "drittenGeheimnis". Er sei durch eine große halbzerstörte Stadt gegangen,"und halb zitternd mit wankendem Schritt, von Schmerz und Sorgegedrückt, betete er für die Seelen der Getöteten, denen er auf seinemWeg begegnete. Auf dem Berg angekommen, kniete er zu Füßen des großenKreuzes nieder. Da wurde er von einer Gruppen von Soldaten getötet,die mit Feuerwaffen und Pfeilen auf ihn schossen. Genauso starbennach und nach die Bischöfe, Priester, Ordensleute und verschiedeneLaien, Männer und Frauen", lautet der Wortlaut der Aufzeichnung vonSchwester Lucia vom 3. Jänner 1944 über ihre Vision vom 13. Juli1917.

Es handle sich bei diesem Text um eine symbolische Sprache, die nichtim fotografischen Sinn die Einzelheiten künftiger Ereignissebeschreibe, so Ratzinger dazu. Er fasse vielmehr auf einemgemeinsamen Hintergrund Tatsachen verdichtend zusammen, die sichzeitlich in einer nicht präzisierten Abfolge und Dauer erstreckten.

Die Vision von Fatima beschreibe den Weg der Kirche in einer Zeit derGewalt, der Zerstörung und Verfolgung, erläutert Ratzinger. Es zeigedas 20. Jahrhundert als Jahrhundert der Märtyrer, der Leiden und derKirchenverfolgung, als Jahrhundert der Weltkriege und vieler lokalerKrieg. Dabei spiele die Figur des Papstes eine besondere Rolle, wobeialle Päpste des Jahrhunderts ab Pius X. (1903-14) "die Leiden desJahrhunderts mittrugen". In diesem Sinne habe auch Johannes Paul II.,als er sich nach dem Attentat vom 13. Mai 1981 den Text des "drittenGeheimnisses" vorlegen lies, sein eigenes Schicksal erkennen können.Dass der Papst gerettet wurde, "zeigt nur noch einmal, dass es keinunabänderliches Schicksal gibt, dass Glaube und Gebet Mächte sind,die in die Geschichte eingreifen können".

Die Geschehnisse, auf die sich das "dritte Geheimnis" beziehe,gehörten heute der Vergangenheit an, schreibt der Kurienkardinalweiter: "Wer auf aufregende apokalyptische Enthüllungen über dasWeltende oder den weiteren Verlauf der Geschichte gewartet hatte,muss enttäuscht sein". Es würden "keine großen Geheimnisse enthüllt;der Vorhang der Zukunft wird nicht aufgerissen. Wir sehen imZeitraffer die Kirche der Märtyrer des nun abgelaufenen Jahrhundertin einer schwer deutbaren Symbolsprache zusammengefasst".

Deutlich arbeitet Ratzinger in seinem Kommentar den Unterschiedzwischen "öffentlicher Offenbarung" - der verbindlichen undabgeschlossenen Offenbarung Gottes in der Bibel - undPrivatoffenbarung heraus. Die Privatoffenbarung verstehe sich alsHilfe zum Glauben. Sie erweise sich als glaubwürdig, wenn sie auf dieeine öffentliche Offenbarung Gottes verweise. Auf keinen Fall dürfesie sich verselbständigen. Der Christ sei nicht verpflichtet, diesenPrivatoffenbarungen zuzustimmen. Sie verständen sich als "Hilfe, dieangeboten wird, aber von der man nicht Gebrauch manchen muss".

Als "Geheimnis von Fatima" werden jene Prophezeiungen bezeichnet, diedie Muttergottes den drei Seherkindern Jacinta und Francisco Martound Lucia Dos Santos 1917 nach deren eigenen Angaben gemacht hat. DerInhalt war bisher nur teilweise bekannt. Laut einer 1942veröffentlichten Niederschrift der Seherin Lucia bestand dieProphezeiung aus drei Teilen: Der erste enthielt die Vorhersage einesweiteren Krieges nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Das zweiteGeheimnis bestand laut Lucia darin, dass Russland sich nach der Weihean das Unbefleckte Herz Mariens bekehren werde.

Den dritten Teil der Weissagung teilte Lucia Papst Pius XII. in einemBrief mit, unter der Auflage, den Text vorerst nicht zuveröffentlichen. Darin hielten sich auch die nachfolgenden Päpste.Johannes Paul II. sah jedoch den Zeitpunkt gekommen, auch das "dritteGeheimnis" zu veröffentlichen. Bisher waren Spekulationen davonausgegangen, der Text enthalte derart schreckliche Zukunftsvisionen,dass man sie nicht bekannt machen könne.

Ratzinger schreibt dazu in seinem Kommentar: "Wer den Text des sogenannten dritten Geheimnisses von Fatima aufmerksam liest, wird nachallen vorangegangenen Spekulationen vermutlich enttäuscht oderverwundert sein". Das Schlüsselwort des ersten und zweiten"Geheimnisses" sei "die Seelen retten", das des dritten derdreimalige Ruf "Buße, Buße, Buße!" Diese Worte erinnerten an denAnfang des Markus-Evangeliums, wo es heißt: "Tut Buße und glaubt andas Evangelium". Es gelte - so Ratzinger - die Zeichen der Zeit zuverstehen und auf sie die richtige Antwort im Glauben zu finden. "Ichdarf hier eine persönliche Erinnerung einflechten: In einem Gesprächmit mir hat Schwester Lucia mir gesagt, ihr werde immer mehrdeutlich, dass das Ziel der ganzen Erscheinungen gewesen sei, sichmehr in Glaube, Hoffnung und Liebe einzuüben - alles andere sei nurHinführung dazu", schreibt der Kurienkardinal.


Die drei Botschaften von Fatima im Wortlaut


Der Vatikan hat am Montag das "dritte Geheimnis" von Fatimaveröffentlicht. "Kathpress" dokumentiert die offizielle Übersetzungdes Textes, den die einzige noch lebende Seherin, die heute93-jährige Klausurschwester Lucia dos Santos, 1944 niedergeschriebenhat. In einer Anmerkung weist der Vatikan darauf hin, dass in derÜbersetzung der Originaltext auch in den Ungenauigkeiten derInterpunktion beachtet wurde, was ein Verständnis aber nichtbehindere. Vorangestellt werden das erste und zweite Geheimnis, diebisher bereits bekannt waren, ebenfalls nach der offiziellenvatikanischen Übersetzung:

Erstes und zweites Geheimnis

Ich werde daher etwas über das Geheimnis sagen und die erste Fragebeantworten müssen.
Welches ist das Geheimnis? Ich glaube, ich kann es sagen, da ich dochdie Erlaubnis vom Himmel dazu habe. Die Vertreter Gottes auf Erdenhaben mich verschiedentlich und in mehreren Briefen dazu ermächtigt.Ich glaube, dass Eure Exzellenz einen davon aufbewahrt. Er stammt vonP. Jose Bernardo Goncales, und er trug mir darin auf, an den HeiligenVater zu schreiben. Ein Punkt in diesem Schreiben bezieht sich aufdie Offenbarung des Geheimnisses. Etwas habe ich bereits gesagt. Aberum dieses Schreiben, das kurz sein sollte, nicht zu lang werden zulassen, habe ich mich auf das Nötigste beschränkt und überließ esGott, mir eine günstigere Gelegenheit dafür zu geben. Im zweitenSchreiben habe ich bereits den Zweifel geschildert, der mich vom 13.Juni bis 13. Juli quälte und der bei dieser Erscheinung völligverschwand.

Nun gut! Das Geheimnis besteht aus drei verschiedenen Teilen, vondenen ich zwei jetzt offenbaren will. Der erste Teil war die Visionder Hölle.

Unsere Liebe Frau zeigte uns ein großes Feuermeer, das in der Tiefeder Erde zu sein schien. Eingetaucht in dieses Feuer sahen wir dieTeufel und die Seelen, als seien es durchsichtige schwarze oderbraune, glühende Kohlen in menschlicher Gestalt. Sie trieben im Feuerdahin, empor geworfen von den Flammen, die aus ihnen selber zusammenmit Rauchwolken hervorbrachen. Sie fielen nach allen Richtungen, wieFunken bei gewaltigen Bränden, ohne Schwere und Gleichgewicht, unterSchmerzensgeheul und Verzweiflungsschreien, die einen vor Entsetzenerbeben und erstarren ließen. Die Teufel waren gezeichnet durch eineschreckliche und grauenvolle Gestalt von scheußlichen, unbekanntenTieren, aber auch sie waren durchsichtig und schwarz.

Diese Vision dauerte nur einen Augenblick. Dank sei unsererhimmlischen Mutter, die uns vorher versprochen hatte, uns in denHimmel zu führen (in der ersten Erscheinung). Wäre das nicht sogewesen, dann glaube ich, wären wir vor Schrecken und Entsetzengestorben.

Wir erhoben den Blick zu Unserer Lieben Frau, die voll Güte undTraurigkeit sprach: Ihr habt die Hölle gesehen, wohin die Seelen derarmen Sünder kommen. Um sie zu retten will Gott in der Welt dieAndacht zu meinem Unbefleckten Herzen begründen. Wenn man tut, wasich euch sage, werden viele Seelen gerettet werden, und es wirdFriede sein. Der Krieg wird ein Ende nehmen. Wenn man aber nichtaufhört, Gott zu beleidigen, wird unter dem Pontifikat von Papst PiusXII. ein anderer, schlimmerer beginnen. Wenn ihr eine Nacht von einemunbekannten Licht erhellt seht, dann wisst, dass dies das großeZeichen ist, dass Gott euch gibt, dass Er die Welt für ihreMissetaten durch Krieg, Hungersnot, Verfolgungen der Kirche und desHeiligen Vaters bestrafen wird. Um das zu verhüten, werde ich kommen,um die Weihe Russlands an mein unbeflecktes Herz und dieSühnekommunion an den ersten Samstagen des Monats zu verlangen. Wennman auf meine Wünsche hört, wird Russland sich bekehren und es wirdFriede sein. Wenn nicht, wird es seine Irrlehren über die Weltverbreiten, wird es Kriege und Kirchenverfolgungen heraufbeschwören.Die Guten werden gemartert werden, der Heilige Vater wird viel zuleiden haben, verschiedene Nationen werden vernichtet werden, am Endeaber wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren. Der Heilige Vater wirdmir Russland weihen, das sich bekehren wird, und der Welt wird eineZeit des Friedens geschenkt werden.

Der dritte Teil des Geheimnisses, das am 13. Juli 1917 in der Cova daIria, Fatima, offenbart wurde.

Ich schreibe aus Gehorsam gegenüber Euch, meinem Gott, der es miraufträgt, durch seine Exzellenz, den Hochwürdigsten Herrn Bischof vonLeiria, und durch Eure und meine allerheiligste Mutter.

Nach den zwei Teilen, die ich schon dargestellt habe, haben wir linksvon Unserer Lieben Frau etwas oberhalb einen Engel gesehen, der einFeuerschwert in der linken Hand hielt; es sprühte Funken, und Flammengingen von ihm aus, als sollten sie die Welt anzünden; doch dieFlammen verlöschten, als sie mit dem Glanz in Berührung kamen, denUnsere Liebe Frau von ihrer rechten Hand auf ihn ausströmte: denEngel, der mit der rechten Hand auf die Erde zeigte und mit lauterStimme rief: Buße, Buße, Buße! Und wir sahen in einem ungeheurenLicht, das Gott ist: "Etwas, das aussieht wie Personen in einemSpiegel, wenn sie davor vorübergehen" einen in
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