Seit zwei Monaten halten Terroristen auf den Philippinen 21 Geiseln aus aller Welt fest. Sie fordern ein unabhängiges muslimisches Mindanao. Auch Christen drehen an der Spirale der Gewalt.
Einstiger Fischreichtum
Auch wenn Moslems wie Christen das Klima der Gewalt hochschaukeln, so sind beide kirchlichen Mitarbeiter überzeugt: die Wurzeln des Konflikts liegen nicht in den verschiedenen Religionen. „Das ist ein wirtschaftliches Problem“, sagt Betsy Ruizo-Gamela gegenüber der Kirchenzeitung. Das Hauptgebiet des seit Jahren andauernden kriegerischen Konfliktes im Herzen Mindanaos war lange Zeit äußerst fischreich. Gingen hier vor 20 Jahren noch 140.000 Tonnen jährlich in die Netze, so sind die Erträge in den letzten Jahren auf 1000 Tonnen eingebrochen. Ursache für den Wegfall der Lebensgrundlage ist die Agrochemie. In diesem Delta läuft das von Düngecocktails und Schädlingsbekäpfungsmitteln extrem belastete Wasser zusammen. „Die Bevölkerung, überwiegend Moslems, meint nun, sich das Land von den Christen zurückholen zu müssen. Früher gab es darüber keine Diskussionen. Sie haben das Land nie angerührt. Aber in einer ohnehin stark unterentwickelten Region ist diese extreme Armut fruchtbarer Boden für Fundamentalismus“, urteilt Ruizo-Gamela. Da die Regierung in der Hauptstadt Manila kaum Beiträge zur Lösung der wirtschaftlich prekären Lage leistet, setzen viele Moslems ihre Hoffnung in den „Islamischen Staat Mindanao“. Geht es nach den Plänen der Moros, wie Moslems auf den Philippinen genannt werden, so sollte er die gesamte Insel umfassen. Dafür kämpft seit Jahren die muslimische Guerillabewegung MILF (Moro Islamic Liberation Front). Aufgrund anhaltender Gefechte wurden in den vergangenen Monaten alleine in Zentralcotaban über 170.000 Flüchtlinge gezählt.
Weniger um die Unabhängigkeit Minadaos als um ein Klima der Angst geht es der Rebellenbewegung „Abu Sayyaf“. Bereits vor dem Geiseldrama von Jolo hatten die islamistischen Terroristen eine katholische Schule auf Basilan überfallen und sechs Wochen 47 Geiseln, großteils Schulkinder, in ihrer Gewalt gehabt. Bei der Befreiung Anfang Mai kamen fünf Menschen ums Leben.
Gegenterror
Gegen diesen Terror bilden sich auf Seite christlicher Fanatiker immer mehr „Wächtergruppen“, berichtet Nono Laurilla, „sie schießen wie Pilze aus dem Boden“. Immer öfter seien auf Mindanao morgens die Hauswände beschmiert. Die Forderung „Mindanao frei von Moros“ wird mit dem Aufruf bekräftigt: „Tötet alle Moslems“. Wer hinter diesen Parolen stehe sei bisher unbekannt. Leider wisse man nur soviel: dass auch in diesem Fall die Regierung in Manila ihre Augen verschließt.
Hintergrund
Gegen Armut kämpfen
Begonnen hat es 1988 als Jugendzentrum in Makilala. Der Name „Don Bosco Youth Center“ ist geblieben. Aber mittlerweile ist aus dem kleinen Projekt eine kirchennahe Organisation (NGO) geworden, die über 1300 Familien betreut. Die 23 MitarbeiterInnen betreuen auch mehrheitlich muslimische Dörfer.
„Entwicklung ist der einzige Ausweg“, beschreibt Betsy Ruizo-Gamela die Situation auf Mindanao. Dabei hat sie auch keine Berührungsängste vor der MILF. Die Rebellen beobachteten die Verbesserungen bei christlichen Bauern, die sich vom Jugendzentrum in ökologischem Landbau hatten beraten lassen. Ein moslemischer Kommandeur lud daraufhin auch die christlichen Landberater ein. „40 Rebellen wollten daraufhin aussteigen. Sie betreiben heute nachhaltigen biologischen Landbau und haben Hoffnung, weil ihr Boden jetzt auch Erträge hat.“ Für die philippinische Armee ist das Engagement der christlichen Berater verdächtig und als kommunistisch gebrandmarkt. Doch die Kommunisten haben auch keine rechte Freude mit ihnen. Ihnen gelten sie als Reformisten, die den Menschen nichts wirklich Neues anbieten. „Doch die Bauern sind glücklich und das ist für uns das Beste“, sagt die Leiterin des Don-Bosco-Jugendzentrums.