Jede dritte Ehe wird wieder geschieden, in großen Städten jede zweite. Trotzdem wünschen sich alle, dass die große Liebe ein Leben lang halten soll.
Um gelingende Beziehungen ging es bei der Startveranstaltung des neuen Familienforums in Wien. Das Forum ist Nachfolger des nach 30-jährigen Bestehens aufgelösten Kath. Familienwerkes der Kath. Aktion, das auf die Veränderungen im Bereich der Beziehungs- und Familienarbeit besser reagieren möchte. Es nimmt sich bewusst „die kleinen Lebenswelten” zum Thema. Bei der Wiener Tagung zum Thema „Damit es gelingen kann. Ist eine lebendige Beziehung Glückssache?“, brachte Nikolaus Knecht, Familienberater aus St. Gallen und Liss-Schüler, eine sehr realistische Sicht der Ehe ein. Auf Grund des oftmaligen Scheiterns könne man nicht so tun, als ob die heile Familienwelt eine Selbstverständlichkeit wäre. Manchen kommt – wie es Erich Kästner in einem Gedicht beschreibt, die Liebe abhanden wie anderen Stock oder Hut. Knecht strich nach dieser poetischen Einleitung unpoetisch das oft recht Mühsame heraus, das hinter der Zusage an den Anderen steht: Es braucht Mut zum Risiko, das Wahrnehmen der Chancen und Eigenverantwortung für sein Glück oder Unglück. Der Referent ermutigt/e zum „Aushalten, durchhalten, nicht aufgeben“! Der Lohn ist die Kraft und Energie, die man aus einer lebendigen Beziehung schöpft. Es sei zu schaffen, wenn man nicht gleich alles hinschmeißt.
Auf Veränderungen reagiert
Der Rat: Sich mehr auf die Liebe konzentrieren, anstatt der Verliebtheit nachzuhängen! reizte zum Widerspruch. „Man kann sich auch in Glatze und Falten neu verlieben!“ so Eva Petrik, frühere KA-Präsidentin. Die Linzer Ehe-, Familien- und Lebensberatin Monika Kornfehl, stellvertretende Vorsitzende des neuen Forums und Podiumsteilnehmerin, findet die Offenheit positiv, mit der darüber gesprochen wird, dass eine gute Beziehung mühsam ist: „Man tut heute nicht mehr so, als ob alles in Familie und Partnerschaft eitel Wonne wäre, sondern sieht die Probleme und was man heilen kann.“ Der Wiener Familienseelsorger P. Reinhard Plaickner, Direktor des Kardinal-König-Hauses, meinte, dass sich die Ehe- und Familienpastoral noch viel mehr auf die heutigen Realitäten einstellen müsse. Im ehrlichen Ansprechen der Probleme sieht Monika Kornfehl eine Chance, dass mehr Menschen zeitgerecht ehebegleitende Maßnahmen in Anspruch nehmen, anstatt Konflikte unter den Teppich zu kehren.
Geheimnisse guter Ehen
- Wir sind all die Jahre „zwei geblieben“ und haben die eigene Persönlichkeit nicht aufgegeben und respektieren uns. Senta
- Man muss Rücksicht aufeinander nehmen und man muss zurückstecken können. Maria und Ludwig
- Was in unserer Beziehung zählt? Humor, Zärtlichkeit, ein Schuss Eigenständigkeit, ja Aufmüpfigkeit, und die Dinge immer gleich ansprechen. Anton und Theresia
- Manchmal möchte ich das Glück festhalten – für Zeiten, in denen es uns nicht so gut geht. Seit ich akzeptiere, dass ein „Auf und Ab“ normal ist, finde ich alle Phasen schön. Maria