Kein Tag vergeht, an dem nicht die Faxe mit Temelin-Fakten heiß laufen oder der Internet-Briefkasten voll gestopft wird mit Mails. Ein kleiner Auszug aus der Flut der Stellungnahmen zeigt, wie akut die Sache geworden ist. Die einen sind dabei, die letzten Vorbereitungen für eine Inbetriebnahme zu treffen. Die anderen lassen nichts unversucht, das Vorhaben noch zu stoppen. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat am Montag bei einer Pressekonferenz in Prag kritisiert, dass internen Dokumenten der Projektbetreiber zufolge in der Testphase, die derzeit abläuft, das Kraftwerk Temelin erhebliche Sicherheitsmängel aufweist. In den nächsten zwei Wochen werde Temelin mit Brennstäben beladen und der Testbetrieb aufgenommen. Auch Greenpeace fordert wie alle Atomkraftwerksgegner seit Jahr und Tag, dass Tschechien und die Kraftwerksbetreiberfirma CEZ alle für die Sicherheit und Gesundheit der Bürger wichtigen Baudokumente offenlegt. Österreich, so Greenpeace-Sprecherin Glenna Oberladstätter, müsse in zwischenstaatlichen Verhandlungen die Notbremse ziehen. Die Oberösterreichische überparteiliche Plattform gegen Atomgefahr begrüßte letzte Woche die grundsätzliche Willenserklärung der österreichischen Bundesregierung, gegen die eingeschlagene Vorgangsweise in Temelin diplomatisch, rechtlich und politisch aktiv zu sein. So wendet sich die Bundesregierung geggen eine Brennstoffbeladung vor einer Umweltverträglichkeitsprüfung. Die EU wird von Minister Molterer aufgefordert, die Einhaltung der Sicherheitsstandards sicherzustellen. Und für Österreich wird ein Anhörungsrecht bei einer Umweltverträglichkeitsprüfung gefordert. „Kanzler Schüssel und die Bundesregierung“, so stellte auch der Sprecher der Plattform, Josef Pühringer, fest, „haben allerhöchste Zeit, eine Notbremse bei Temelin zu ziehen“, ehe Tschechien gegen alle Bedenken einen irreversiblen Schritt setzt.