- Kirchenzeitung der Diözese Linz, Stefan Schlager
„Deinen Tod verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir.“ In diesem Satz liegt die ganze „Aufregung“ der Botschaft Jesu und seiner Gegenwart in Brot und Wein.
Jerusalem, wieder im Jahre 30. Nachdem Jesus mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl gefeiert hat, begibt er sich zu einem seiner Lieblingsplätze, dem Landgut „Getsemani“, in dem es einen Garten mit Ölbäumen und eine große Naturhöhle gibt. Seine Jünger begleiten ihn auf diesem etwa 30-minütigen Fußweg. Dort angekommen, legen sich die Jünger schlafen. Jesus aber zieht sich in den Garten zurück, um zu beten. Er ringt dabei wohl um eine Entscheidung: Flucht oder Tod? Jesus dürfte seltsam unruhig gewesen sein und – ganz ungewohnt – sogar die Jünger vom Schlaf aufgeweckt haben. Später jedoch kommt er verändert und entschlossen in die Grotte zurück. Er ist bereit.
Auf und davon gemacht
In der Zwischenzeit erreicht Judas Iskariot den vertrauten Ort mit einer Truppe, um Jesus verhaften zu lassen. Es kommt zu einem Handgemenge. Daraufhin ergreifen die Jünger die Flucht und lassen ihren Meister, ihren Rabbi, ihren Freund alleine zurück! Nur Petrus versucht noch einmal, das Versagen von Getsemani rückgängig zu machen und folgt dem Verhaftungstrupp. Als er vor dem Palast des Hohenpriesters auf Jesus hin angesprochen wird, lässt Petrus seinen Meister wieder im Stich und verleugnet ihn. Dann aber tauchen die Jünger nicht mehr auf – weder auf dem Kreuzweg noch unter dem Kreuz. Die Elf haben sich auf und davon gemacht, vielleicht schon in der Nacht, spätestens aber nach der Kreuzigung – ihr Ziel: das sichere Galiläa. Doch dann ereignet sich etwas Unvermutetes: Die Geflohenen kehren in das lebensbedrohliche Jerusalem zurück. Sie scheuen das Risiko nicht mehr. Was ist passiert? Was veränderte die Verschreckten? Woher der Mut? Lukas erwähnt in seiner Apostelgeschichte gar, dass sich nach dem Ostereignis die leiblichen Brüder Jesu und seine Mutter Maria in Jerusalem aufhalten (Apg 1,14) – jene Familie, die während des Wirkens Jesu in Galiläa noch versuchte, den „Verrückten“ mit Gewalt zurückzuholen (vgl. Mk 3,20–21). Warum sind sie gerade jetzt in Jerusalem? Warum hören wir – zumindest von den Brüdern – nichts unter dem Kreuz?
Eine neue Perspektive
Die entscheidende Antwort findet sich in der Pfingstpredigt des Petrus. Hier wird jenes Ereignis benannt, das die Personen um Jesus – und wohl auch seine Familie – im Tiefsten verändert hat: Jesus wurde „ans Kreuz geschlagen und umgebracht. Gott aber hat ihn … auferweckt“ (Apg 2,23–24)! Ja, der Auferweckte hat sich sogar gezeigt: seinen Jüngern, Maria aus Magdala, seinem Bruder Jakobus und vielen anderen! Bei all dem wird klar: Gott hat rettend eingegriffen – anders als erwartet! Er hat Jesus nicht im Unrecht, nicht im Tod, nicht im Leid allein gelassen. Vielmehr hat Jesus Recht bekommen – und Recht gehabt: mit seiner befreienden Botschaft, mit seiner Überzeugung, mit seinem Leben. Jesus und Gott – sie gehören tatsächlich zusammen! Und dieser Jesus lebt! Von Ostern her bekommt das Leben, die Welt nun eine neue Perspektive.
Osterzeugen heute
Diese „vitalen“ Erfahrungen der ersten Osterzeugen können auch heute noch „in Unruhe versetzen“ und ermutigen, das Ostergeschehen aufs Neue zu ergründen und „fruchtbar zu machen“ – für die eigene Zeit, für die eigene Situation! Der Ruf „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis Du kommst in Herrlichkeit“ erinnert uns an diese „Zu-Mutung“. Ob man unserer Verkündigung und unserem Leben diesen österlichen Horizont, diesen österlichen Geist, diese österliche Weite anmerkt?
Bedenk-Text
Der Geist von Ostern
Leer ohne Feuer und Flamme unverstanden schal verbraucht – Wer kennt es nicht?
Unerwartet jedoch: eine Begegnung die verwandelt “zündet” be-geist-ert