Die Sache ist vertrackt: Sozial- wie Beschäftigungsprojekte sind darauf angewiesen, dass sie aus öffentlichen Mitteln gefördert werden. Meist gibt es nur kurzfristige Zusagen, auf ein Jahr. Jahr für Jahr bedeutet das daher Unsicherheit und den Wettlauf um Förderungen. Jahr für Jahr verlieren welche.
Das Gerücht sickerte in den letzten Wochen durch: Die Beschäftigungsprojekte „Kulinarium“ und „Fahrradzentrum“ von B7 sowie „Filino“ von pro mente werden das Jahr 2000 nicht überleben. Eine schlimme Botschaft für mehr als 100 Beschäftigte, für die nun wieder Arbeitslosigkeit mit wenig Hoffnung droht. Denn die Beschäftigungsprojekte sind für sie ein Rettungsanker in einer wilden Arbeitssee, die sie an Land gespült hat.
Der Kampf um den Subventionskuchen
Nun ist das kein Bosheitsakt der zuständigen Behörde – des Bundessozialamtes, sondern die Folge der Subventions-Logik insgesamt. Aus dem Europäischen Sozialfonds der EU konnte Oberösterreich, weil das Bundesland die Möglichkeiten in den ersten Jahren sehr rasch realisierte, einen guten Teil (30%) beanspruchen. Nun wurde der ESF aber für die Jahre 2001 bis 2005 neu verhandelt. Die anderen Bundesländer reklamierten für sich einen entsprechenden Anteil. Damit wird Oberösterreich zurückgestutzt; Geld fehlt.
Hans Riedler, Obmann von B7, wandte sich in einem Brief an verschiedene Verantwortungsträger in Politik und Interessensvereinigungen. Er, der seit vielen Jahren den Stress des Ringens um den knappen Subventionskuchen kennt, macht sich wieder einmal auf die Suche nach Kooperationspartnern: „Wir wollen die Chancen, die in jeder Krise liegen, nützen und können uns daher mehrere Arten einer Kooperation vorstellen“, gibt er die Sache nicht auf. Er weist auf die vielfältigen Erfahrungen und Kompetenzen in Begleitung und Beschäftigung von arbeitslosen Menschen hin und auf die mit viel Aufwand und öffentlichen Mitteln geschaffene Infrastruktur. Vor drei Jahren wurde im Kulinarium eine Großküche (Linz, Steingasse 25) eingerichtet; vor einem Jahr eine Fahrradwerkstätte und Schlosserei gebaut (Linz, Waldeggstraße 126). Diese Ressourcen sollten nicht ungenützt bleiben.
Suche per Brief
Daher sucht Riedler per Brief
- entweder Fördergeber, die für eine bestimmte Zielgruppe bzw. Maßnahme Bedarf und Interesse an einer Dienstleistung haben, „die wir mit unseren Erfahrungen, Kompetenzen und in unserren Betriebsstätten durchführen können.“
- oder Kooperationspartner, „mit denen wir ein neues Projekt entwickeln und realisieren oder ein bestehendes gemeinsam anbieten könnten.“
- oder Institutionen bzw. Sozialeinrichtungen, die Bedarf und Interesse an der Nutzung unserer Betriebsstätten ... haben.“
Ein Kommen und Gehen
1997, am 27. November, wurde das Kulinarium eröffnet. Damals schon lagen Licht und Schatten knapp beisammen. Denn just zur gleichen Zeit kündigte das Arbeitsmarktservice an, die Förderung für etwa 20 Projekte (400 Arbeitsplätze) zu streichen. Obmann Hans Riedler atmete damals zwar für das Kulinarium auf, im Bundessozialamt hoffte er nämlich einen Partner für länger gefunden zu haben und aus der Falle der Kurzfristigkeit entkommen zu sein. Für sein Fahrradzentrum aber schaute es schon bedrohlich aus und für viele andere Projekte auch, denen er über die Bischöfliche Arbeitslosenstiftung verbunden war.
Es ist ein Kommen und Gehen bei den Sozialprojekten. Die Ziele der Förderungspolitik ändert sich rasch, Nachhaltigkeit ist kein Wort der Subventionsvergabe. Umso bewundernswerter ist die Hoffnung, mit der sich viele Verantwortliche von Sozialprojekten immer wieder in den Wettlauf um Fördergelder stürzen.
Stichwort
Kulinarium Ende 1997 wurde das „Kulinarium“ als Beschäftigungsprojekt für Personen mit Behinderungen gegründet. Mehr als 20 Menschen mit mindestens 50 % Einschränkung finden hier im Bereich Küche, Büro, Zustellung Arbeit. Ziel ist die Wiedereingliederung am Arbeitsmarkt. Das Kulinarium stellt Schmankerl her und beliefert Großküchen wie Partys. Wer z. B. in den letzten Jahren an den Feiern zur Kirchenzeitungs-Solidaritäts-Preisverleihung teilgenommen hat, konnte sich auch an der Kochkunst der Leute des Kulinariums erfreuen. Das Buffet, zu dem der Landeshauptmann einlud, war vom Kulinarium.
Fahrradzentrum B7 1999 feierte das Fahrradzentrum B7 das 15-jährige Bestehen. Begonnen hat das Zentrum als Beschäftigungsprojekt in erster Linie für jugendliche Arbeitslose. Das Alter stieg mit dem Alter der Arbeitslosen insgesamt. Im Fahrradzentrum haben derzeit 20 Leute Beschäftigung. Sie reparieren und zerlegen alte Fahrräder, die das B7 geschenkt bekommt, in brauchbare und nicht mehr brauchbare Teile. Aus drei Fahrrädern wird so ein Fahrrad.