Der Bund will die Freien Medien in die „Freiheit“ entlassen – ein Unternehmen, das nicht auf Gegenliebe stößt
Ausgabe: 2000/27, Medien, Schicho, Fro
04.07.2000
- Elisabeth Leitner
Selbst Sendungen gestalten, Medien nicht nur konsumieren: Das bieten die acht in Österreich existierenden „Freien Radios“. Die Jagd nach Quoten überlässt man anderen, der Bund überlässt die „Freien Radios“ bald sich selbst.
Das ist aber nicht die Freiheit, die die „Freien Radios“ meinen. Für das heurige Jahr wurden die Subventionen der Bundesregierung um 70 Prozent gekürzt. Freie Medien sollen sich in Zukunft selbst finanzieren, so in etwa lauten die Vorstellungen von Kunststaatssekretär Franz Morak. Gefordert wird, dass die „Freien Radios“ selbst ein Ausstiegsszenario aus der Bundesförderung vorbereiten und schon in zwei Jahren ohne Subventionen auskommen. Ein Ansinnen, das den „Freien Radios“ nicht gefallen kann. DDr. Josef Schicho, Chefredakteur der KIZ in Pension, sorgt nicht nur dafür, dass es die Kirchenzeitung auf Kassette gibt, er macht auch „Seniorenradio“ bei Radio FRO. Schicho über die Freien Medien: „Freie Radios bieten die Möglichkeit, dass Einzelpersonen, Gruppen und Interessierte Radio nach ihren Vorstellungen machen können. Bei Radio FRO haben z.B. Minderheiten, Kulturinitiativen, Schüler/innen oder Senior/innen einen eigenen Sendeplatz. Freie Medien sind eine Plattform, wo man ohne großen Aufwand seine Meinung äußern, die eigene Kreativität in der Öffentlichkeit präsentieren kann. Und hier geht es nicht um Quoten. Wir machen Radio von Senioren für Senioren, auch, was die Musikauswahl und die Themen betrifft.“ Vor kurzem hat man eine Umfrage gestartet, um die Musikwünsche der Senioren zu eruieren, bevorzugt werden: Operettenmusik, „echte“ Volksmusik und Schlager von einst. Der Schlager „Wo meine Sonne scheint ...“ erwärmt die Herzen, Erzählungen aus der Jugendzeit sind besonders beliebt. Für Sendezeiten wird ein finanzieller Beitrag geleistet. Sponsoren des Seniorenradios sind die Stadt Linz und das Land OÖ. „Freie Radios“ finanzieren sich so bis zu 50 Prozent selbst, Werbung ist nicht erlaubt. Durch die Kürzungen des Bundes sind die Freien Radios in ihrer Existenz bedroht, der Verband der „Freien Radios“ ist nun dabei, rechtliche Schritte gegen dieses „unmoralische Angebot“ zu prüfen.