Kaiser Karl V. im Kunsthistorischen Museum - Zum 500. Geburtstag
Ausgabe: 2000/28, Kaiser Karl V,
11.07.2000
- Kirchenzeitung der Diözese Linz, Reinhard Kriechbaum
Er ist gegen Luther nicht nur auf einem Reichstag diskutierend, sondern später auch mit dem Harnisch ins Feld gezogen. Allerdings war er deswegen noch keineswegs zwangsläufig der Freund der Päpste: Karl V. (1500–1558) war den jeweiligen Herren in Rom wegen seiner Machtfülle zwar als Helfer bei der Verteidigung des Katholizismus gegen die Lutheraner und gegen die Muslime höchst willkommen. Wegen seiner großen Macht standen ihm die Päpste (Karl hatte im Lauf seiner Regierungszeit mit dreien zu tun) auch mit großer Skepsis gegenüber. Immerhin waren Karls Söldner sogar plündernd durch Rom gezogen: Dieser sogenannte „Sacco di Roma“ machte der Renaissance-Kultur in der „heiligen“ Stadt am Tiber den Garaus. Heuer jährt sich zum 500. Mal der Geburtstag Karls V. Aus diesem Anlass sind ihm mehrere internationale Ausstellungen gewidmet. Eine besonders sehenswerte präsentiert das Kunsthistorische Museum in Wien. Andere waren in Gent und Bonn zu sehen, Ende des Jahres ist Toledo (Spanien) an der Reihe.
Irrtum und Propaganda
Was vom Geschichtsunterricht hängen bleibt am Namen dieses Kaisers, ist die Aussage: „In meinem Reich geht die Sonne nicht unter.“ Das ist schon deshalb nicht richtig, als die Eroberer der „Neuen Welt“ ja der Meinung waren, an der Ostküste Asiens gelandet zu sein. Sie ahnten nichts vom neu entdeckten Doppelkontinent Amerika. Der Slogan von der Sonne, die im Habsburgerreich nie untergeht, war freilich nicht nur ein „Irrtum“, sondern ein ganz bewusster Propaganda-Trick. Zu gut wusste man um die Situation im Osten und Süden Europas Bescheid, zu tief saß der Stachel: Hundertfünfzig Jahre nach der Schlacht auf dem Amselfeld hatten die Türken Ungarn unter ihre Herrschaft gebracht und standen, eben in der Regierungszeit Karls V., erstmals vor Wien. Der Asien-Seehandel Venedigs war zum Erliegen gekommen. Die osmanischen Schatten allgegenwärtig: Sehr wohl also täglicher „Sonnenuntergang“ in Karls Reich – real und symbolisch. Das belgische Gent in den sogenannten „Spanischen Niederlanden“ war Karls Geburtsstadt. Eine erlauchte Verwandtschaft: Der Habsburger Maximilian I. und Alfons der Weise von Kastilien (der in Spanien beinahe eine Aussöhnung zwischen Juden, Arabern und Christen zuwege gebracht hatte) waren die Großväter. Die Eltern waren Philipp der Schöne und Johanna, die als „die Wahnsinnige“ in die Geschichte einging.
Letzter „Vogt des Papstes“
Neben Süleyman dem Prächtigen und Franz I. von Frankreich ist auch der dritte große „Gegenspieler“, Martin Luther, in der Ausstellung prominent im Bild. Gegen ihn polemisierte Karl V. auf dem Reichstag in Worms (1521), in französischer Sprache, weil er ja kaum Deutsch konnte. Der zwanzigjährige Kaiser war damals gerade erst das zweite Jahr im Amt. Der Disput endete mit der Ächtung Luthers, der sich weigerte, seinen Lehren abzuschwören. Als „Junker Jörg“ hat L. Cranach den Reformator in jener Zeit gemalt – das war der Deckname des für vogelfrei erklärten Luther. Trotzdem: Viele Jahre später sollte Karl V. bei der Schlacht vonMühlheim gegen die protestantischen deutschen Landesfürsten zwar siegreich bleiben, aber er konnte die Verbreitung des Protestantismus nicht aufhalten. In seine Regierungszeit fällt schließlich der Augsburger Religionsfriede. Karl war der letzte kaiserliche „Vogt des Papstes“. Weder politisch noch im religiösen Zusammenhalt war damals die Vision eines „vereinten Europas“ zu halten. Es drohte, kaum geschaffen, zu zerrinnen. Nicht zuletzt deshalb hat Karl, als einziger Kaiser in der Geschichte, schließlich die Krone zurückgelegt. Bis zu seinem Tod 1558 lebte er fortan in klösterliche Nachbarschaft von San Jerónimo de Yuste in der spanischen Estremadura.
Schaufenster
Tolle Zeitbilder
Die Ausstellung „Karl V. – Macht und Ohnmacht Europas“ ist bis 10. September im Wiener Kunsthistorischen Museum zu sehen. Man hofft auf 300.000 Besucher. Die Schau im Kunsthistorischen Museum orientiert sich vor allem an den Kunstwerken. Sie – und nicht ausgestelltes Papier – erschließen die aufregende Zeitreise. Gerade die Renaissance-Porträtkunst, die vielen Menschenbildnisse – von Dürer und Strigel bis Tizian – schaffen Nähe und wecken das Interesse des Besuchers. Alle sind sie in lebensnahen Bildern beisammen: die Habsburgischen Familienmitglieder, die politischen Berater, die Financiers (Fugger, Welser), natürlich auch die Gegenspieler, bis zum berühmten Bildnis Süleymans des Prächtigen von Tizian Eine Besonderheit der Schau sind die riesigen Gobelins vom Tunis-Feldzug, der entscheidenden Kriegsunternehmung Karls V. gegen die Muslime. Die erste Schlacht (nahe Karthago) wurde in riesigen Wandteppichen dargestellt. Das Kunsthistorische Museum besitzt die Karton-Vorzeichnungen für diese oppulenten, gewebten Kriegsbilder des Niederländers Jan Cornnelisz Vermeyen.Der Katalog (2 Bücher im Schuber um öS 750,–) ist zwar nicht billig, aber sein Geld wert: Die Texte sind anschaulich und verständlich geschrieben, und schließlich hat man hier die wesentlichen Kunstwerke der Epoche, vor allem die berühmten Renaissance-Porträts, beisammen.
Die Ausstellung ist täglich von 10 bis 18 Uhr (Do bis 21 Uhr) geöffnet. Am 3. 9. Familiensonntag (Familienkarte 120 öS, Kinderführungen …). Durch die Ausstellung geleitet ein leicht zu bedienendes Autoguide-System.Auskünfte: Kunsthistorisches Museum, Maria-Theresien-Platz, 1010 Wien, Tel. 01/525 24-343.
Sommerquiz
15 Einttrittskarten für die besprochene Ausstellung zu gewinnen.
Wann fand der Wormser Reichstag gegen Luther statt?