Der feierliche Lobpreis Gottes (Eph 1, 3–14), seine Herrlichkeit und Gottes Handeln wird mit dem Wort „Segen“ zusammengefasst. Segen ist die Formel, die Gutes bewirkt. Segen/sich segnen meint die Kraft, die einer Sache innewohnt oder die durch Segensworte vermittelt wird. Segen deutet nicht nur auf Lebens-steigerung hin, sondern Segen ist Lebenssteigerung. Dem segnenden Wort liegt Heilskraft inne, denn im Segnen sprechen wir Gottes Gegenwart herbei und bringen sie in Verbindung mit unserer Lebenswirklichkeit: Wandlung und Abschiednehmen, Neuanfang und Wagnis, Verletzung und Heilung, ein Leben, zu dem das Scheitern, die Traurigkeit und der Tod gehört, und die Hoffnung auf Zukunft und Veränderung.
Gott schuf alles Leben, Gott schuf den Menschen und segnete ihn (Gen 1). Wir sind also dazu berufen, Segen zu empfangen und Segen weiterzugeben. Als Christinnen und Christen stehen wir durch die Taufe in der Tradition des Alten Bundes und sind hineingenommen in den dem Volk Israel verheißenen Segen.
Der ersten Segenstext spricht von der Berufung der Auserwählten mit dem Blick auf ein glückliches Leben. Wir alle sind von Gott erwählt und befähigt, die Liebe Gottes sichtbar werden zu lassen im Umgang mit uns selbst und unseren Mitmenschen. Jede/r Einzelne von uns ist mit unterschiedlichen Gnadengaben ausgestattet, die heilenden Charakter haben. Indem wir unsere Fähigkeiten sichtbar machen und einsetzen lernen, wird Gemeinschaft erlebbar.
Gott ist ein Gott des Lebens. Überall dort, wo Menschen sich aufmachen und Leben bzw. lebensfördernde Strukturen ermöglichen, stehen sie in der Tradition der Bibel. Überall dort, wo Menschen Leben verhindern bzw. todbringende Strukturen (z. B. Leben, Reichtum, Arbeit … auf Kosten von anderen) unterstützen, richten sie sich gegen Gott und gegen sich selbst. Sie befinden sich im Zustand der Sünde.
Wir Menschen sind Teil der Schöpfung Gottes. Gewalt, Hass, Neid, Gier entsprechen einem Entfremdungszustand des Menschen mit der kos-mischen Ordnung. Heilung/Erlösung ist möglich, wenn wir versuchen, im Einklang zu leben: im Verhältnis zu Gott, in den sozialen Beziehungen zu den Mitmenschen, der natürlichen Beziehung zur Schöpfung Gottes und der individuellen Beziehung zu uns selbst. Gottes heilender Wille und seine Liebe zu uns Menschen gibt uns Perspektiven.Erlösung ist ein innerer und fortwirkender Prozess: die äußere, soziale und politische Befreiung bekommt dadurch ihren Stellenwert und verpflichtenden Charakter: ein Vorgeschmack auf eine endgültige Wirklichkeit.