Gesellschaft: Sozialprojekte, Abfahrt und Gegenwind
Ausgabe: 2000/28, Sozialprojekte, Sozialplattform, Abfahrt und Gegenwind
11.07.2000
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Sozialprojekte
15 Jahre existiert die Sozialplattform, der Dachverband der oö Sozialprojekte. Ihr Ziel ist die soziale Integration benachteiligter Menschen zu unterstützen. Es wurde ein Handbuch der Plattform der Öffentlichkeit vorgestellt, in dem sich auf 380 Seiten 150 oö Sozialprojekte darstellen. Es sind dies einerseits Ausbildungs- und Beschäftigungsprojekte (400 Transitarbeitsplätze), andererseits Beratungs- und Betreuungsprojekte sowie Wohnprojekte. Alleine 3.100 Personen kontaktierten 1999 z. B. die Schuldnerberatung.
Das Handbuch kann bei der Plattform der oö Sozialprojekte, Weingartshofstraße 38, 4020 Linz, Tel. 0732/667594 (Fax-DW 4), E-Mail: sozialplattform. ooe@netway.at bestellt werden. Es kostet S 190,– plus S 30,– Versand.
Wer will eigentlich die Volksbefragung?
Die Absicht, dem Volk Fragen zur EU zu stellen, ist ein Spiel mit dem Feuer. Im Herbst werden uns sechs Fragen, die europäische Union und ihre Sanktionspolitik betreffend, gestellt. Mit diesem Vorhaben erntet die Regierung Kritik. So fragt der eben gewählte Präsident der Bundeswirtschaftskammer, Dr. Christoph Leitl: „Wem nützt die Volksbefragung?“ Er fürchtet im Gegenteil, dass damit wieder unselige Diskussionen entstehen und wieder Sager kommen, die die Sache erschweren. „Wenn man laut wachelt mit dem’Ha-Ha-ihr-werdet’s-euch-schon-noch-anschauen-ihr-werdet-uns-brauchen’, dann werden wir uns vielleicht anschauen.“ Österreich sollte vielmehr selbstbewußt um Vertrauen werben. In den Nachrichten der Kath. Sozialakademie (KLSÖ) wird kommentiert: „Wenn geplant wird, mittels Volksbefragung zu den EU-Sanktionen die Österreicher emotional aufzuheizen und die EU zum Sündenbock für innerösterreichisches Unbehagen zu stempeln, erweist sich dies als Mißbrauch demokratischer Formen.
Abfahrt und Gegenwind
Dr. Christoph Leitl hat letztes Wochenende seine politischen Zelte in Oberösterreich abgerissen und in Wien Quartier als neugewählter Präsident der Bundeswirtschaftskammer bezogen. Wir bringen mit ihm aus diesem Grund in der kommenden Ausgabe ein ausführlicheres Interview, ziehen aber die Passage zur Volksbefragung vor (siehe Seite 1). Er ist ausdrücklicher Gegner der Volksbefragung. Wer aber sollte unsere Regierung noch von dem Vorhaben abbringen, die Volksbefragung durchzuführen, fragten wir Leitl: „Beispielsweise die Sozialpartner mit ihrer Sorge um den Wirtschafts- und Arbeitsstandort Österreich“ läßt Leitl keinen Zweifel daran, dass er eine Volksabstimmung für österreichische Interessen kontraproduktiv hält. Ganz anders sieht das Leitls Parteifreund und Mit-Konstrukteur der Volksbefragung, Klubobmann Dr. Andreas Khol. Er meinte bei der Fernseh-Pressestunde am Sonntag: Österreich habe „sechs Monate lang biblisch und christdemokratisch die Wange“ hingehalten und sei dann nicht erlöst worden, „sondern noch einmal fest auf die zweite draufgeschlagen“ worden. Die Volksbefragung sei das letzte Mittel.
Naturgemäß herbe Kritik an der Volksbefragung gibt es von den Oppositionsparteien. Sie sei undemokratisch, provozierend, die FPÖ reinwaschend...