Lieber teilt sie Freude und Not mit den Armen, statt dass sie in Wohlstand leben würde: Die Schlierbacher Ordensschwester Bertholde Polterauer ist das 40. Jahr in Zimbabwe.
Zwei von 13 Millionen Einwohnern sind an Aids erkrankt. Die Armut ist in den letzten Jahren dramatisch gewachsen. Der Graben zwischen Weiß und Schwarz droht erneut aufzubrechen. Zimbabwe im Jahr 2000. Eine Oberösterreicherin will trotzdem nicht tauschen. „Ich könnte nicht mehr da bleiben“, sagt Sr. Bertholde Polterauer, nach fünf Jahren wieder einmal auf Heimaturlaub in Oberösterreich. „Wurstsemmeln in den Mülltonnen, die Stapel an Lebensmitteln in den Supermärkten – da frage ich mich: Ist das dieselbe Welt?“ Der krasse Gegensatz zwischen hier und dort macht der Ordensfrau zu schaffen: „Das würde mich immer verfolgen.“
Fast eine halbe Million Kinder sind in Zimbabwe zu Aids-Waisen geworden. Eine ungeheure Aufgabe ist das auch für die Ordensschwestern. Es gilt zu organisieren, dass die Kinder wenn möglich bei Verwandten angenommen werden, aber oft gibt es keine Verwandten mehr. Nur durch ein wirksames Bekämpfen der Armut, ist Sr. Polterauer überzeugt, lässt sich die Krankheit zurückdrängen. Aus hundert Kilometer Umkreis kommen die Armen ins Krankenhaus der Schwestern in Bulawayo. Nur hier gibt es eine kostenlose Behandlung für die Armen. Seit 1961 lebt Sr. Bertholde in Zimbabwe. Sie hat die Zeiten der Bedrohung erlebt, als man am Abend nicht wusste, ob es ein Morgen gibt. „Ich habe gebetet, ob ich bleiben soll: Herr zeige mir den Weg“, erzählt die Schwester, wie sie die kriegerischen Auseinandersetzungen um die Unabhängigkeit des Landes erlebt hat. Fast ständig bestand damals Todesgefahr. „Da habe ich die Bibel aufgeschlagen und den Satz gefunden: ‘Eine größere Liebe hat niemand, als wer sein Leben hingibt.’– Das war für mich die Antwort“, sagt sie. Trotz der heute schwierigen Situation ist Sr. Polterauer optimistisch, sie erzählt vom Aufblühen der afrikanischen Kirche, wie einheimische Schwestern das Werk der früheren Missionschwestern selbst tragen.