Am 29. Juli Gratiseintritt für Frauen bei Alpinismusschau „Der Berg ruft“
Ausgabe: 2000/29, Großglockner,
18.07.2000
- Klaus Achleitner
Am 29. Juli ist Frauentag bei der Alpinismusschau „Der Berg ruft!“ in Altenmarkt – mit dabei: Helma Schimke.
„Über allem der Berg“ ist der Name ihres zweiten Buches und quasi programmatisch für das Leben von Helma Schimke. Dieses unzähmbare Verlangen, in die Berge klettern zu gehen, habe sie seit ihrer Kindheit in sich, beteuert die 74-jährige Salzburgerin, die als Bergsteigerin wie als Architektin immer noch aktiv ist. Als Fünfjährige brannte sie zum ersten Mal durch. Ihr Vater hatte sie in den Lungau mitgenommen, wo er an einer Wildbachverbauung arbeiten musste. Ein kleines Gipfelchen, das sie erspäht hatte, wollte sie unbedingt erreichen und sie ging einfach darauf los. Ein aufmerksamer Senner brachte sie zurück zum Vater.
Unwiderstehlicher Drang
Bald war ihr der Drang auf die Berge bewusst. Mit zwölf steht sie zum ersten Mal auf dem Untersberg. Mit dreizehn schreibt sie in ihr Tagebuch: „Ich möchte Bergsteiger werden!“ „Bezeichnend“, sagt sie heute „dass ich damals die männliche Form verwendete, denn ich war mehr mit den Burschen unterwegs.“ An ihrem zwanzigsten Geburtstag besteigt sie den Untersberg zum hundertsten Mal.Als sie nach dem Krieg im zerbombten Wien ihr Architekturstudium beginnt, trainiert sie im kalten Winter 1946 in einem großen vereisten Bombentrichter vor der Akademie der bildenden Künste das Eisklettern. In einer Tauschzentrale löste sie ihren einzigen Wintermantel gegen ein Hanfseil ein. „Als mir meine Mutter draufkam, war das ein richtiger Schock für sie.“ In den 50er Jahren beginnt sie mit den schwierigen Touren. Als erste Frau klettert sie 1951 durch die Mauk-Westwand im Wilden Kaiser und zwei Jahre danach steht sie als erste Bergsteigerin auf der Aiguille Noire de Peuterey im Montblanc-Gebiet. „Es war eine der ersten Besteigungen überhaupt,“ erzählt sie. Schimke ging es aber nie darum, auf irgendeinem Gipfel als erste Frau zu stehen. Sie wollte einfach nur gut klettern können. Und das konnte sie. Die Salzburgerin ist eine der ersten so genannten „Sestogradistinnen“. Das sind Frauen, die Routen im sechsten Schwierigkeitsgrad klettern können.
Zuhause muss Schimke oft lügen, um ihrem Drang in die Berge nachkommen zu können. Als sie 1959 bereits als dreifache Mutter von zuhause zur Piz Badile Nordostwand aufbricht und im Garten die umfangreiche Kletterausrüstung auflegt, fragt ihre Mutter, ob denn ihr Vorhaben so gefährlich sei, weil sie so viel Zeug benötige. „Nein, nein“, schwindelt Schimke zur Beruhigung. „Ich hab fast keine Tour ohne schlechtem Gewissen gemacht“, erzählt sie. „Aber jedesmal, wenn ich am Gipfel stand, hab ich mir gedacht, der liebe Gott muss das doch verstehen!“ „Der liebe Gott“, wie sie immer sagt, „war immer fixer Bestandteil meines Tuns.“ Als ihr erster Mann 1961 in der Watzmann-Ostwand tödlich verunglückt, muss sie allein für das Einkommen sorgen. Es war die schwierigste Zeit in ihrem Leben, geprägt von materiellen Sorgen. Aber „der liebe Gott“ habe ihr auch über diese schwierige Zeit hinweggeholfen. Auch heute ist Helma Schimke noch in den Bergen unterwegs. Erst letzte Woche war sie auf dem Dachstein. „Ich habe ein Riesenglück“, erklärt sie und es klingt fast entschuldigend. „Ich bekomme einfach keinen Muskelkater.“
"Der Berg ruft!"
Am 28. Juli 1800 wurde erstmals der Großglockner bezwungen. Aus diesem Anlass gibt es auf der Kaiser-Franz-Josephs-Höhe an der Glocknerstraße eine Sonderschau und in Altenmarkt im Pongau die große Alpinismusausstellung „Der Berg ruft!“. Die Besteigung des Glockners war vor allem eine „kirchliche Angelegenheit“. Treibender Motor war der Kärntner Fürstbischof Franz von Salm und sein Generalvikar Sigismund Ernst Graf von Hohenwart. Es war vor allem das naturwissenschaftliche Interesse und weniger die „Entzauberung“ des im Volksglauben mit Geistern und Mythen umgebenen Gipfels, der die beiden zu drei Expeditionen antrieb. Während Salm den Gipfel nie erreichte, stand der spätere Bischof von Linz, Graf Hohenwart, 1799 am Kleinglockner und 1802 auf dem Großglockner. 1800 musste er vier Zimmerleuten aus Heiligenblut und Pfarrer Horasch aus Döllach zunächst den Vortritt lassen.
Die Ausstellung „Der Berg ruft!“ in Altenmarkt gibt einen spannenden Einblick in die Welt der Berge und des Alpinismus. Gekonnt wird über die Steilwände der Alpen, die Achttausender, über Sherpas und Bergsteigerinnen, über die Kunst des Kletterns und Mythen und Märchen informiert. Eine beeindruckende Kletterwand, ein Kunstobjekt von R. Messner und ein moderndes Kino mit den besten Bergfilmen ergänzen das Programm. Am 29. Juli ist Frauentag mit Helma Schimke, der Filzmooser Bergbäuerin und Buchautorin Barbara Passrugger sowie der Münchner Kletterfex Alix von Melle. Eintritt für alle Frauen gratis.
„Der Berg ruft!“. Die Alpinismusausstellung in Altenmarkt-Zauchensee und am Großglockner. Geöffnet von 10 bis 18 Uhr. Auskünfte: Tel 0 64 52/2 01 30
Sommerquiz
15 Eintrittskarten für die besprochene Ausstellung zu gewinnen!
Wann wurde der Großglockner zum ersten Mal bestiegen? Schicken Sie uns eine Karte mit der Antwort: KIRCHE, Wilhelm-Greil-Str. 7, 6020 Innsbruck, oder mailen Sie: kirchenzeitung@dioezese-innsbruck.at