Gewinnt so hoch ihr könnt“ heißt ein Gesellschaftsspiel, in dem es darum geht, den größtmöglichen Gewinn zu erwirtschaften. So lange es jedoch TeilnehmerInnen gibt, die nichts bekommen bzw. Verluste hinnehmen müssen, ist das Ziel nicht erreicht.
In Jer 23, 6 findet sich die Beschreibung einer messianischen Zukunft: Gott ist unsere Gerechtigkeit. In der biblischen Tradition versteht man darunter Heil, Ganzheit, das Eingeordnetsein in eine bestimmte Gesetzmäßigkeit und soziale Ordnung. Es geht um das Heil des einzelnen Menschen, dass sich nicht trennen lässt von dem der Gemeinschaft. Weise sind jene Menschen, die sich auf die von Gott geschaffene und garantierte Ordnung des Natur- und Sozialkosmos einlassen wollen, und welche, die die Schöpfung Gottes in ihrer Gesamtheit ernst zu nehmen versuchen. Das Gesetz ist die Grundlage für eine gerechte Gesellschaft und steht im Dienst des Menschen. Es wurde nicht als Last empfunden, sondern als Gottesgabe im Sinne von Lebenshilfe und Wegweisung für den einzelnen Menschen in der konkreten Situation bzw. für eine konkrete Gemeinschaft. Gerechtigkeit und Liebe gehören zusammen. Die Weisheit Gottes schließt die Liebe zu den Menschen mit ein.
Wenn Gott Gerechtigkeit ist, so denke ich, steht Gott nicht auf der Seite der Mächtigen, die Positionen einnehmen und Möglichkeiten haben, Menschen unfrei und abhängig zu machen. Gerechtigkeit und Liebe stehen im Widerspruch zu einem Gesellschaftsideal von Gewinnmaximierung auf Kosten derer, die wenig haben. Das Recht ist unteilbar und wird sichtbar, wenn Menschen selbst bestimmt leben können und in demokratische Prozesse eingebunden werden. Wenn Gott Gerechtigkeit ist, dann gilt nicht mehr die Trennung der Menschen nach Herkunft und Abstammung, nach Reichtum und Armut, in Erste und Dritte Welt; Gerechtigkeit und Liebe stehen im Widerspruch zu Vorrecht und Privilegien, zu feststehenden Ordnungen, die Unterdrückungsmechanismen als Fortschritt bezeichnen und dadurch Ausbeutung legitimieren. Wenn Gott Gerechtigkeit ist, dann steht Gott nicht auf der Seite der Kriegstreibenden und derer, die an das Recht des Stärkeren glauben. Gott spricht nicht die Sprache der Waffen und unterstützt nicht den Einfluss der Mächtigen; Gerechtigkeit und Liebe stehen im Widerspruch zur Sprache der Gewalt. Liebe befähigt Menschen zu ertragen, sich zu öffnen und zu vertrauen; Menschen werden mutig, aufzutreten und zu be-kennen, wovon sie überzeugt sind und wofür sie leben.