Ausgabe: 2000/29, Männerbewegung, bad leonfelden, Sommerakademie,
18.07.2000
- Matthäus Fellinger
Es sind oft nicht die Glaubensinhalte selbst, die zum Unglauben führen. P. Joop Roeland (Wien) vermutet andere, nämlich psychische Ursachen als Grund der Glaubenslosigkeit. Sehr oft fehle es an „geistiger Spannkraft“, an der Kraft zum Glauben selbst, betonte der Seelsorger bei der diesjährigen Sommerakademie der Katholischen Männerbewegung letzte Woche in Bad Leonfelden. Männer flüchteten dann oft in Ideologien, in die Technik oder in ein Konsumverhalten.Die heurige Sommerakademie spannte den Themenbogen zwischen männlicher Kraft und Gewalt, zwischen der hellen Seoite und der dunklen Seite der Macht.Konkret wird das zum Beispiel in der Politik. Der aus Bad Leonfelden stammende Innsbrucker Bürgermeister Herwig van Staa erzählte von seinen Erfahrungen mit Zivilcourage. Politiker wären der Wahrhaftigkeit verpflichtet, betonte er. Und wenn Politiker auch nicht alles sagen müssten, was sie wüssten, so müssten sie doch bei der Wahrheit bleiben. Letztendlich, meinte er, fährt man damit auch am besten. Für die Schwachen in der Gesellschaft das Wort zu ergreifen ist für den auf einer eigenen Liste kandidierenden Politiker ein besonderer Aspekt der Zivilcourage. Vor den bei der Sommerakademie erfreulich zahlreich vertretenen Publikum rückte er so manche österreichische Sorge zurecht: „Unser größtes Problem ist, dass wir, nach internationalen Maßstäben betrachtet, keine Probleme haben – und dass die Leute deshalb unzufrieden sind.“