Sind die Menschen den Finanzmärkten und den von ihnen diktierten Wirtschaftsgesetzen hoffnungslos ausgeliefert? Damit befasste sich eine Ökumenische Sommerakademie im Stift Kremsmünster.
„Geld regiert die Welt.“ Noch nie scheint dieses geflügelte Wort so sehr zugetroffen zu sein wie heute. Die großen Finanzmärkte der Welt bestimmen mehr und mehr Wirtschaft und Politik. Es ist nicht mehr das Geld im herkömmlichen Sinn, denn die Milliarden sind nur mehr in Form von „Buchgeld“ vorhanden. Ums Geld ging es bei der zweiten Ökumenischen Sommerakademie letzte Woche im Stift Kremsmünster. „Gott oder Mammon“ lautete der provokante Titel der von der Hauptabteilung Religion des ORF, dem Evangelischen Bildungswerk, der Katholisch-Theologischen Hochschule Linz und der Kirchenzeitung organisierten Veranstaltung.
Jesus und das Geld
Gott oder die Vergötterung des Geldes: Das ist eines der Spannungsfelder, in die Jesus seine Gefolgschaft stellte. Seine Jünger schickte er ohne Vorratstaschen und Sparguthaben aus. Letztendlich – so formuliert es Prof. Dr. Ferdinand Reisinger (Linz) – ist es die Alternative, sich für das Leben oder gegen das Leben zu entscheiden. Geld kann dem Leben dienen, es kann aber dem Menschen auch Schaden zufügen. Dr. Helmut Schönthaler, Vorstandsdirektor des Kommunikationskonzerns UTA Telekom AG, sieht dennoch viel eher die Chancen modernen Wirtschaftens – weil Firmen, die erfolgreich sein wollen, immer mehr darauf kämen, dass sie gerade um des Erfolges willen ethisch handeln müssten. Dass die Wirtschaft großen Stils dennoch vor allem jenen Chancen bietet, die flexibel genug sind, dass aber Schwache dabei auf der Strecke bleiben, darauf blieb er die Antwort schuldig. Von Versuchen, im Wirtschaftsleben die Kultur-, Sozial- und Naturverträglichkeit stärker zum Tragen zu bringen, berichtete die Frankfurter Sozialethikerin Claudia Döpfner. Im Rahmen eines Forschungsprojektes können sich Firmen dabei nach diesen Kriterien bewerten lassen. Finanziert wird das Projekt von katholischen und evangelischen Ordensgemeinschaften, die erkannt haben, dass gerade auch für kirchliche Anleger eine ethisch-moralische Verpflichtung bei der Geldanlage besteht. Es zeichne sich ab, dass diese selbst angelegten strengen Normen sich durchaus rechnen. Diözesanbischof Maximilian Aichern wies auf die „Schieflage“ der weltweiten Güterverteilung hin und forderte eine soziale Umverteilung auf weltweiter Ebene. Superintendent Mag. Hansjörg Eichmeyer nahm vor allem die Kirche selbst in die Pflicht: Ihr dürfe es nicht um Selbstdarstellung und Selbsterhaltung gehen, sie müsse Kirche für die Armen sein.
Hoffen auf Neubesinnung
Bei der Akademie in Kremsmünster wurden auch Hoffnungsschimmer deutlich. So ortet der international anerkannte Sozialexperte Friedhelm Hengsbach SJ (Frankfurt) ein weltweites Umdenken auf Grund der Krisen der Finanzmärkte in den Neunzigerjahren. Die Gesellschaft wäre den Turbulenzen dieser Märkte nicht hoffnungslos ausgeliefert, in ihrem eigenen Interesse würden internationale Richtlinien verhandelt. Sie zielen, wie von nicht staatlichen sozialen Institutionen seit langem gefordert, auf eine stärkere Regulierung kurzfristiger Finanzströme hin. Die Finanzmärkte müssten sich, so Hengsbach, wieder deutlicher den demokratischen Richtlinien unterwerfen. Der Umgang mit Geld ist ebenso eine Frage der persönlichen Lebensgestaltung. Vom Versuch, sich nicht an den „Mammon“ zu binden, erzählte Bruder Fritz Giglinger. Er gehört der Franziskusgemeinschaft Pinkafeld im Burgenland an. 15 Leute leben dort in Gemeinschaft – ohne Bankkonto und Sparguthaben.
Wörtlich
- „Geld ist eine Tatsache, es ist wichtig, darf aber nicht alles sein. Wir sollten mit dem Geld und aus dem Geld das Beste machen, nur keinen Abgott. Wir sollen besitzen, ohne besessen zu sein.“ Dr. Ferdinand Reisinger, Linz
-„Die Dynamik, die in der Anwendung moderner Technologie und Spezialisierung in allen Bereichen liegt, lässt den Menschen kaum mehr genügend Zeit, neues Orientierungswissen aufzubauen und zu verinnerlichen.“ Fridolin Kissling, Akademie für Entwicklung, Schweiz.
- “Die Einteilung von ‘entweder –oder’ ist in der Unternehmensführung nicht mehr sinnvoll. Der Manager muss bei seinen Entscheidungen die Interessen und Anliegen von Aktionären, Mitarbeitern und Kunden gleichermaßen berücksichtigen – und hierbei dürfen ethische Prinzipien nicht zu kurz kommen.“ Dr. Helmut Schönthaler
- „Wir haben zwar eine weltweite Wirtschaft, durch die alle Menschen, heute mehr denn je miteinander verbunden sind. Wir haben aber keine funktionierende international gültige Sozialordnung, kein funktionierendes internationales Recht, das diesen Zwängen entgegenstehen würde.“ Bischof Maximilian Aichern