„Komm doch zu uns!“ oder „Ich besuche Euch einmal!“ sind Hoffnungen, die häufig nur zu Urlaubs- und Ferienzeiten verwirklichbar sind.
Heutzutage bereiten Besuche von oder bei lieben Menschen tatsächlichen Grund zur Freude. Notorischer Zeitmangel, die Unsitte unverbindlicher Zusagen („Vielleicht komme ich noch vorbei“) und der von Experten festgestellte Rückzug in die eigenen vier Wände wirken sich auch auf die Kultur der Gastfreundschaft aus. Sich Zeit füreinander nehmen, das ist selten und wertvoll geworden. Dabei kann es wunderbar sein, jemanden zu besuchen, andere Lebenswelten offen zu erfahren und keine Berechnung auf Gleichbehandlung beim Gegenbesuch anstellen zu müssen. Ebenso schön ist es, die eigene Tür zu öffnen und Gäste zu empfangen. Was gute Gastgeber auszeichnet? Gelassenheit einerseits, die sich nicht für Staubreste oder unaufgeräumte Winkel entschuldigt und die Verspätung (oder Verfrühung!) erträgt. Und Herzlichkeit andererseits, der das Protzen mit der Habe genau so fremd ist wie kalorienbombiges Auftischen mit vorprogrammierter Magenverstimmung. Voraussetzung einer gesunden Besuchskultur ist freilich, mit sich selbst im Reinen zu sein. Vom Münchner Komiker Karl Valentin stammt der Satz: „Morgen bsuach i mi, hoffentlich bin i dahoam.“ Besuchen und besucht werden – kurz gesagt: das Geschehen der Gastfreundschaft – sind Kommunikationsformen, über die auch die Bibel mehrfach berichtet, etwa beim Besuch Gottes bei Abraham (Gen 18, 1). Im Vorfeld der Geburt Jesu spielen zwei Besuche eine bedeutende Rolle: jener des Engels Gabriel bei Maria (Lk 1, 26) und jener von Maria bei ihrer ebenfalls schwangeren Verwandten Elisabeth (Lk 1, 39). Diese Erzählung deutet eine weitere Dimension der Gastfreundschaft an: die gegenseitige Anteilnahme, Hilfe und Zuwendung. „Das ist der Gastfreundschaft tiefster Sinn, dass einer dem andern Rast gebe auf dem Weg zum ewigen Zuhause.“ (Romano Guardini)Gerade glaubende Menschen und kirchliche Institutionen wie Pfarrhäuser oder Klöster sollten gastlich sein, auch um dem Auftrag des Neuen Testaments (Röm 12, 13) nachzukommen. Vor allem aber sind Freundschaftsbesuche Perlen auf der Lebensschnur. Wie sagt man in Irland? „Möge dich der Himmel mit guten Freunden segnen.“